Berlin (dpa/gs) l Der Satire-Autor Ernst Röhl ist tot. Der 77-Jährige starb nach langer Krankheit am Montag im brandenburgischen Zepernick, wie die Eulenspiegel Verlagsgruppe am Dienstag mitteilte.

Röhls Spezialität sei die satirische Sprachkritik gewesen. Er habe mit Witz und Ironie Beschönigungen der Herrschenden aufgedeckt. Von 1965 bis 1997 war Röhl Redakteur der Satire-Zeitschrift "Eulenspiegel".

Zuvor habe Röhl die Folgen von Satire in der DDR selbst zu spüren gekommen, teilte der Verlag mit. In Leipzig, wo er von 1957 bis 1961 Journalistik studierte, wurde das Studentenkabarett "Rat der Spötter" seine zweite Leidenschaft. Hier bekam sein Schreiben eine Richtung. Später bezeichnete der Satiriker den "Rat der Spötter" als seine eigentliche Universität.

Als 1961 die Mauer gebaut wurde, suchten die Genossen mit Übereifer nach Feinden der Republik und sogar nach Verschwörern. Laut Verlagsangaben war Röhl als "Rädelsführer" des Studentenkabaretts "Rat der Spötter" nach einer Aufführung verhaftet und abgeurteilt worden. Er saß bis 1962 im Gefängnis. Danach musste er sich zunächst als Holzarbeiter und später Korrektor durchschlagen. Danach fand er in der Satirezeitschrift "Eulenspiegel". seine berufliche Heimat.

Röhl über sich: "Es hat lange gedauert, bis die Menschen das Lachen lernten; manche können es heute noch nicht. Um dieses Defizit zu verringern und meinen reichlich seriösen Vornamen zu entschärfen, mied ich mit Vorbedacht all jene Berufe, in denen es nichts oder nur selten was zu lachen gab. Stattdessen wurde ich mit Vorbedacht Redakteur und Autor beim ,Eulenspiegel` veröffentlichte Bücher mit humoristischen Geschichten und sogar einen historischen Roman ,Auf eigene Gefahr`".

Im Eulenspiegel Verlag kamen rund 20 Bücher von Röhl heraus. Dazu zählte nach dem Mauerfall auch "Der Ostler, das unbekannte Wesen". Die letzte Publikation wurde 2010 unter dem Titel "Wörterbuch der Heuchelsprache" veröffentlicht.

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