Erfolgreich als Autor und Regisseur

Philippe Claudel ist ein französischer Schriftsteller, Dramatiker und Filmregisseur.

Der 53-Jährige schaffte literarisch den Durchbruch mit seinem Roman "Les Âmes grises" ("Die grauen Seelen"), der 2003 in Frankreich mit dem Prix Renaudot geehrt und zum besten Buch des Jahres gekürt wurde. Für "Brodecks Bericht" erhielt er 2009 den Prix Goncourt. Auf Deutsch erschienen unter anderem: "Die grauen Seelen", "Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung", "Brodecks Bericht", "Die Untersuchung".

Auch als Regisseur feiert Claudel ("So viele Jahre liebe ich dich", "Bevor der Winter kommt") Erfolge. Er wurde ausgezeichnet mit dem BAFTA Award und dem César, war nominiert für den Golden Globe.

Magdeburg l "Von Kunst verstehst du rein gar nichts", sagt die Frau und schaut Richtung Wohnzimmerdecke, von der teure Lampen hängen. Der Mann lacht gequält. Bücher, Filme, Design - er habe einfach keine Ahnung, halte Schwarzenegger für den Größten. "Sie hätten dich einschläfern sollen im Krankenhaus. Dann wäre jetzt Ruhe", wirft sie ihm an den Kopf.

Ein Ehepaar über 50 zerfleischt sich. Ines Lacroix und Matthias Engel spielen diesen Mann und diese Frau. In "Red mir nicht von Liebe!" von Philippe Claudel fliegen die Fetzen.

Vor anderthalb Jahren hatte Ines Lacroix das Stück gelesen. "Ich dachte: Solche harte Sprache. Ich habe es weggelegt, weil ich fand, dass es für Liebende zu weit weg ist, sich so zu streiten." Eine Meinungsverschiedenheit der beiden Künstler ließ sie an das Buch denken. Sie gab den literarischen Ehe-Streit Matthias Engel in die Hand. Es folgte die Anfrage beim Verlag. Die deutsche Erstaufführung war perfekt.

"Der Witz, der Humor, das hat große Qualität" - Regisseur Marcus Kaloff

Marcus Kaloff, der zwischen Berlinale (Premiere des Kinofilmes "Dora oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern") und seiner Regiearbeit am Schauspielhaus Neubrandenburg (Gogols "Die Heirat") zeitlich eine Lücke fand, führt Regie. "Ich habe mich anfangs gefragt, ob es sich nicht schnell erschöpft, wenn ein Ehepaar so aufeinander einschlägt. Aber das ist nicht so. Der Witz, der Humor, das hat große Qualität." Kaloff, der mehr als 50-mal in der Inszenierung "Der Gott des Gemetzels" auf der Theaterbühne des Magdeburger Schauspielhauses stand, sieht Parallelen zwischen Yasmina Rezas Kultstück und Claudels Bühnenwerk. Kaloff spricht von der Ambivalenz, von der Komik und Tragik und dem besonderen Humor der Franzosen.

"Es gibt ein unterschiedliches Empfinden" - Schauspielerin Ines Lacroix

"Die Leute werden über den Wiedererkennungswert lachen", ist sich Kaloff sicher.Persönliche Erfahrungen bringen eigene Sichten hervor. "Es gibt ein sehr unterschiedliches Empfinden", sagt Ines Lacroix. "Während Matthi einen Dialog komisch finden kann, sehe ich das überhaupt nicht so."

Es geht um die Beziehung zwischen Mann und Frau, auch um etablierten Wohlstand und um die Frage, was Menschen freiwillig an Verletzungen aushalten und warum sie trotzdem in einer Beziehung verharren.

Beide Schauspieler haben am Theater Basel die deutschsprachige Erstaufführung (Premiere war im Oktober 2014) gesehen. In Basel wird an einer Haltestelle gespielt. Open air, die Zuschauer bleiben im Foyer des Schauspielhauses. Die Theatermacher in der Zollstraße wollten bewusst kein Straßentheater, keine zufälligen Begegnungen. Das Angler-Team setzt auf die Nähe zum Publikum, auf die Dialoge, auf die Verletzungen. Es hält sich stark an den Claudel`schen Text.

"Ein Zank, der in die Annalen eingehen wird ...", schrieb "Le Figaro". Premiere für diesen Zank ist am 1. März, 20 Uhr.