Magdeburg l Mit 13 Jahren stand er zum ersten Mal am Pult eines Sinfonieorchesters, mit 18 wurde er Chefdirigent des Nationalen Sinfonieorchesters Usbekistans, mit 21 Jahren gewann er den 2. Preis des renommierten Bamberger Gustav-Mahler-Dirigierwettbewerbs.

Seitdem folgte der in Taschkent geborene Aziz Shokhakimov vielen internationalen Einladungen, in Deutschland unter anderem der Sächsischen Staatskapelle Dresden, der Kammerphilharmonie Bremen, der Düsseldorfer Symphoniker - und nun auch der Magdeburgischen Philharmonie.

Er ist der Shootingstar in der Klassikszene und konnte sich, inzwischen knapp 26-jährig, im Magdeburger Opernhaus mit der Leitung des Sinfoniekonzerts sogleich kammermusikalisch und sinfonisch zeigen.

Zunächst trafen musikalisch Bach und Strawinsky aufeinander. Mit Igor Strawinskys recht kurzem Konzert für Kammerorchester "Concerto en Mi b (Dumbarton Oaks)" erklang zu Beginn ein Stück mit rhythmischen Raffinessen, das eine sehr präzise und sichere Dirigiertechnik verlangte. Bei aller notwendigen Präzision ließ Shokhakimov den Musikern in dem konzipierten kontrapunktischen Gegen- und Miteinander genügend Raum zu Solo-Tutti-Kontrasten und wirkungsvollen fugenartigen Finalgestaltungen. Strawinskys Bach`sches Vorbild, das Concerto grosso war zu erhören, demnach musste zwingend auch Johann Sebastian Bach erklingen. Das populäre Konzert für Oboe, Violine und Orchester c-Moll BWV 1060R spielten zwei Philharmonie-Kollegen, der Solo-Oboist Henning Ahlers und die stellvertretende Konzertmeisterin Barbara Hentschel, die überhaupt am ganzen Abend das Orchester bravourös führte.

Nach den ersten motivischen Echo-Effekten im ersten Satz und den schließlich verschwimmenden Grenzen zwischen Soli und Tutti war das filigrane Adagio besonders reizvoll. Eine traumschön klangliche Oboe, innig ruhig, wovon sich die Violine inspirieren ließ und beide weite Melodiebögen spannten, kantabel vom Orchester mit dezenten Pizzicati und Cembalo begleitet. Das finale Allegro verlangte reichlich virtuose Musizierfreude ab. Galant blätterte sogar Dirigent Shokhakimov der Solovioline die herausfordernden Noten um. Barockfans hätten sich vielleicht noch deutlicher eine historischere Interpretationsnote gewünscht.

Doch die klassische Linie war ganz legitim und wurde abgerundet durch Ludwig van Beethovens 4. Sinfonie B-Dur op. 60. Die 4. wird oft zwischen der "Eroica" (3.) und der "Schicksals-Sinfonie" (5.) übersehen. Für Shokhakimov ist es nicht die erste Beethoven-Sinfonie gewesen, die er bereits studiert hat. Insofern dirigierte er die Magdeburgische Philharmonie auswendig und ließ auf beeindruckend sympathische Art seiner unglaublichen Musikalität und Expressivität freien Lauf.

Allerdings findet sich in der 4. nicht diese explosive Energie wieder wie in der Vorgängerin, der "Eroica", sondern eher ein Gestus der geistreichen Rücknahme. Taktwechsel und der Widerstreit zwischen klaren gesanglichen Linien und instrumentalem "Gewusel" machten eine ausbalancierte Spannung erlebbar. Nicht umsonst wählte auch Felix Mendelssohn-Bartholdy seinerzeit die 4. für sein Debüt als Dirigent in Leipzig - mit Erfolg, so auch Shokhakimov in Magdeburg. Dass Beethovens 4. bei weitem kein Mauerblümchen ist, erlebte das Publikum begeistert.