Dessau-Roßlau l Mit dieser ersten von insgesamt 15 Szenen begann am Sonnabend im Großen Haus des Anhaltischen Theaters Dessau die Uraufführung des Tanztheaters "Das verlorene Paradies" im Rahmen des diesjährigen Kurt-Weill-Festes. Die Choreographie und Inszenierung schuf der Dessauer Ballettdirektor Tomasz Kajdanski.

Inspiriert wurde Kajdanski vom zwölf Bücher umfassenden epischen Gedicht "Paradise Lost" ("Das verlorene Paradies") des englischen Dichters John Milton (1608-1674), ohne es "zu vertanzen, weil das nicht machbar ist", so der Choreograph. Die Inszenierung erzählt von Göttern, die auf die Erde kommen, hier eine Vielzahl von menschlichen Leidenschaften durchleben und die Welt wieder verlassen.

Kajdanski widmet sich insbesondere den Ängsten, Zweifeln, Hoffnungen, dem Suchen nach Glück und Liebe, nach Heimat - letztendlich der Suche nach dem Sinn des Lebens. Damit nimmt er unter anderem Bezug auch auf historische Ereignisse, lässt ebenso biografische Bezüge seiner Tänzerinnen und Tänzer anklingen.

In Zusammenarbeit mit dem Choreographen hat der stellvertretende Generalmusikdirektor Daniel Carlberg, der die musikalische Leitung hat, eine Musik ausgewählt, in der Paul Hindemiths dreisätzige Sinfonie "Mathis der Maler" die musikalische Stütze bildet. In die Handlung integriert sind, einer Art Triptychon gleich, auch Lieder von Kurt Weill (unter anderem aus "Frauentanz" op. 10) und von Arnold Schönberg (aus "Sechs Orchesterlieder" op. 8).

Die Tänzer zeigen enorme Kondition

Zu den wohl mehr bekannten Liedern Weills zählt "Youkali" aus "Marie Galante" im Teil XIV: "Ein glückliches Liebespaar tanzt einen Tango".

Hervorzuheben ist, dass sich in dieser intensiven Inszenierung Tanz, Musik und auch Gesang "auf Augenhöhe" begegnen.

Optisch und akustisch in den Bann gezogen wird der Zuschauer, wenn auf der großen Bühne (Bühne und Kostüme Dorin Gal) die Anhaltische Philharmonie in großer Besetzung konzertiert, und davor, den überbauten Orchestergraben einbezogen, jedoch zeitweise auch auf einem Podest hinter dem Orchester, die Tänzerinnen und Tänzer mit vielgestaltiger Aussagekraft. Und gepaart mit bewundernswerter Kondition agieren. Einige der insgesamt neun Tänzer sind in bis zu sieben Teilen aktiv.

Die Kostüme sind meist dunkel gehalten. Sparsam eingesetzte farbige "Heraushebungen" unterstreichen einzelne Textinhalte besonders.

Wie von einem fallenden Wassertropfen erzeugte Farb-impressionen werden auf eine große Leinwand projiziert. Nicht minder eindrucksvoll, teils noch emotional bewegender, sind die "eingestreuten" Lied-Tanz-Performances. Ein Solo-Klavier beziehungsweise eine kammermusikalische Besetzung präsentieren die Musikstücke. Die drei Sopranistinnen Karen Helbing, Stefanie Kunschke und Cornelia Marschall interpretieren die einzelnen Lieder. Mitglieder der Dessauer Ballettkompanie tanzen in verschiedenen, zum Liedinhalt stimmigen Formationen von Solo über Pas de deux hin bis zur Gruppe.

Die Tanz-Interpretationen begeistern durch eine weitgespannte Palette nacherlebbarer Gefühls- und differenzierter Bewegungsvielfalt sowie einer unaufgesetzt wirkenden, ausgeprägten klassischen Tanzkunst. Das Publikum der gut besuchten Premiere hat dieses durchaus anspruchsvolle, den Zuschauer fordernde Tanztheaterstück begeistert aufgenommen.

Eine nächste Vorstellung im Rahmen des Kurt-Weill-Festes gibt es am Sonnabend, 7. März, um 17 Uhr.