Magdeburgs Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz gab 2011 mit "Jenfa" ihr Operndebüt. Jetzt inszeniert sie "Die Braut von Messina" als deutsche Erstaufführung am Opernhaus Magdeburg. Grit Warnat hat mit ihr über Herausforderungen, die Musik Zdenek Fibichs und Schillers Drama gesprochen.

Volksstimme: Frau Crombholz, Sie mögen unser Nachbarland Tschechien?
Cornelia Crombholz:
Weil das schon meine zweite tschechische Oper ist?

Genau.
Das ist wirklich Zufall. Aber ja, ich mag Tschechien. Meine Großmutter kommt aus Böhmen, mein Großvater hat in Brünn studiert. Ich bin sehr gerne in dem Land unterwegs. Aber deshalb habe ich mir diese Opern nicht ausgesucht.

Generalintendantin Karen Stone hat gesagt, sie habe Sie für "Die Braut von Messina" ein bisschen überredet. Waren Sie interessiert?
Natürlich. Das war ein verführerisches Angebot.

Warum verführerisch?
Weil diese Oper nicht so bekannt ist. Bei Werken wie der "Zauberflöte" von Mozart gibt es bereits so viele unterschiedliche Lesarten, genauso wie bei Shakespeare. Bei einer unbekannteren Oper ist man da freier. Außerdem war ich neugierig, warum sich der Komponist das Schiller-Libretto ausgesucht hat.

Was ist Ihre Erkenntnis?
Da Fibich aus der romantischen Tradition kommt, hat er Stoffe gesucht, mit denen solch ein Drama, solch eine Tragödie vollkommen ausgelebt und auskomponiert werden kann. Für mich ist es logisch, dass er sich Schiller vorgenommen hat.

Schillers Drama "Die Braut von Messina" ist wenig bekannt. Warum hat es sich nicht durchsetzen können?
Es ist ein schwieriges Werk. Schiller wollte damit die griechische Tragödie wiederbeleben - ein gescheiterter Versuch, wie bereits die Zeitgenossen meinten. Aber das, was als Schauspiel nicht gut funktioniert, wie zum Beispiel die große Bedeutung von Sprechchören oder die unrealistisch-fatale Familienkonstellation, macht dieses Werk besonders "opernkompatibel". Deshalb ist Schillers Werk eine ideale Vorlage für Fibich geworden.

Der tschechische Komponist ist kaum bekannt in Deutschland. Kannten Sie ihn?
Nein.

Wie klingt Fibichs Oper?
In der Partitur finden sich harmonische Wendungen und Formen, die an Wagners Musiksprache erinnern. Wenn ich Fibichs Musik höre, denke ich an "Lohengrin". Aber gleichzeitig ist sie sehr "slawisch", ohne je volkstümliche Motive zu verwenden, sehr eindringlich und hat mich emotional tief berührt. Ich habe das Stück natürlich wegen Schiller, aber eben auch wegen der Musik übernommen: Da gibt es diese dramatischen Steigerungen durch die Chöre, unter anderem die Trauergesänge oder den Schluss, wenn beide Söhne tot sind. Und für die Solisten hat Fibich dankbare, ergreifende Gesangspartien geschrieben.

Welche Rolle spielen die Chöre?
In Fibichs Oper werden die Chöre, bei Schiller nach antikem Vorbild eher kommentierend, zu Akteuren, die die Handlung wirklich vorantreiben. Aufgeteilt als Truppen der beiden konkurrierenden Söhne greifen sie immer wieder ein, sind als ständige Gewaltdrohung anwesend und peitschen sich gegenseitig hoch. Das hat Fibich wirklich packend komponiert.

Wie bereits bei Ihrer ersten Oper wird jetzt auch wieder in der Originalversion gesungen. Die Sänger können Italienisch - aber Tschechisch?
Es ist nicht so einfach, das stimmt. Die Sänger beschäftigen sich schon sehr lange mit den Partien und haben Sprachtrainer. Aber sie sind es von ihrem Beruf her gewohnt, sich in anderen Sprachen zu bewegen. Tschechisch ist eine kräftige Sprache, sie ist nicht so weich wie das Italienische. Es ist alles sehr explosiv. Das passt bestens zum Stück.

Es geht um Liebe, Verrat, Macht. Das sind heutige Themen. Wie aktuell setzen Sie die Oper um?
Der Stoff kommt ja nicht aus der Schiller-Zeit, sondern aus der Antike. Es ist eine griechische Tragödie. Schiller beschreibt aber ein großes Thema, nämlich wie Menschen in Machtstrukturen unterwegs sind. Das ist unglaublich aktuell. Es wird immer gesagt, diese Autoren seien so weitsichtig gewesen. Ich sehe das anders. Für mich sind wir Menschen auch nach 2000 Jahren nicht in der Lage, Konflikte zu lösen. Wir laufen in einer Spirale und finden keinen Ausgang. Das ist die Aktualität. Im Stück geht es um eine Diktatur. Der Patriarch ist gerade gestorben und hinterlässt ein Machtvakuum, in dem sich seine Söhne bekriegen und der Versuch, sich zu versöhnen, scheitert. Das ist doch hochaktuell. Da bin ich im Heute.

Auch auf der Bühne?
Wir werden nicht die Uniformen ukrainischer Kämpfer auf der Bühne haben, wenn Sie das meinen. Unsere Inszenierung zielt auf die Zuspitzung eines politischen Konfliktes innerhalb einer militärisch-brachialen Gesellschaft. Das wird man auch sehen.

Ihre Arbeit steht unter besonderer Beobachtung. Deutschlandradio Kultur wird die Premiere aufzeichnen und am 21. März um 19.05 Uhr ausstrahlen. Was bedeutet das für Sie?
Der Mitschnitt wird auch als CD veröffentlicht! Das ist sensationell für das Haus. Ich selbst versuche, daran nicht so viele Gedanken zu verschwenden. Aber es freut uns alle, es macht uns noch ehrgeiziger, noch konzentrierter in unserer Arbeit.

Premiere am 14. März, 19.30 Uhr im Opernhaus Magdeburg. Weitere Vorstellungen: 22. und 28. März, 3. und 10. April.