Magdeburg l Keimzeit reist wieder. Nicht nach Feuerland oder Singapur, die Musiker galoppieren "Auf einem Esel ins All". Seit Freitag wird ihr jüngstes Album verkauft. In Magdeburg stellte die Band ihre Produktion in der Festung Mark vor. Am 3. Juli dieses Jahres kommt die Truppe während ihrer Tournee durch Deutschland wieder dorthin, zum Konzert unter freiem Himmel.

Keimzeit 2015 tritt in neuer Besetzung auf. Neben Norbert Leisegang stehen sein Bruder Hartmut Leisegang sowie Lin Dittmann, Sebastian Piskorz, Martin Weigel und Andreas "Spatz" Sperling auf der Bühne. Die sechs produzierten auch das neue Album, die elfte Studioproduktion von Keimzeit überhaupt. Der Weggang "altgedienter" Akteure, teilweise aus den Gründungstagen vor mehr als 30 Jahren, ließ das Besondere von Keimzeit keinesfalls unter die Räder kommen. Der Geist der Band scheint unbeschadet, kraftvoll, bodenständig wie eh und je. Und "Auf einem Esel ins All" setzt auf konzentriertes Zuhören, schnörkellose Musik, Deutschrock vom Feinsten. Da scheinen klassische Balladen Pate zu stehen. Keinesfalls leicht konsumierbare Texte, wie auch die Kompositionen fast ausschließlich von Norbert Leisegang, bleiben ein Keimzeit-Markenzeichen.

"Halt dich fest, wir reiten/auf einem Esel ins All/Auf einen Rappen aus Holz/ Auf dem Rücken von einem Wal" heißt es im Titel, der dem Album den Namen gab. "Das Krokodil" beschreibt einen Abschied, ein Nachdenken über das Leben: "Am Anfang play, am Ende löschen/Die Liebe ist ständig auf der Flucht/Du lachst mich aus, küsst einen anderen". Keimzeit erzählt Geschichten, sentimental, mit bester Beobachtungsgabe, überrascht mit Alltagsereignissen, die nachdenklich machen.

Zwölf Songs sind auf eine schwarze CD gepresst, die an das gute alte Vinyl erinnert. Dieses Äußere steht als Symbol, denn inzwischen erlebte die LP eine Wiedergeburt. Keimzeit stellt sich seit mehreren Alben dem Trend und lässt zusätzlich solche Scheiben herstellen.

Das neue Album entstand komplett in Eigenregie und nicht bei einem etablierten Produzenten. Andreas "Spatz" Sperling holte die Band in sein "Scheunenstudio Wiesenhagen". In der brandenburgischen Abgeschiedenheit und in ländlicher Ruhe wurde an jedem Titel gefeilt, geprobt, verworfen. Anschließend seien alle urlaubsreif gewesen, doch Keimzeit-Mitbegründer Norbert Leisegang gibt sich zufrieden. Ein Gemälde sei entstanden, keine Gemüsekiste.