Magdeburg l Das "Magdeburg-Wochenende" des 23. Kurt-Weill-Festes fand nach Cornelia Froboess im MDR-Funkhaus und Ute Lemper im Opernhaus mit einer Weill-Gala am Sonntagabend, ebenfalls im gut besuchten Opernhaus, einen begeistert aufgenommenen Abschluss.

Dass zum Programmauftakt die Ouvertüre aus "Der Silbersee" ausgewählt wurde, erinnerte an eine historische Verbindung zwischen Weill und Magdeburg. Erlebte doch dieses Bühnenfestspiel am 18. Februar 1933 in Leipzig und fast zeitgleich in Erfurt und eben in Magdeburg seine Uraufführung. Und: Der Text-Autor Georg Kaiser ist zudem gebürtiger Magdeburger.

Mit dem gut zweistündigen Programm "Berlin - Paris - New York: Kurt Weill im Concert" nahmen die Gäste an einer musikalischen Zeitreise durch die Lebens- und Schaffensstationen des 1900 in Dessau geborenen Künstlers teil. Die Magdeburger Schauspielerin Susi Wirth (auch mit Gesang) moderierte in möglicher Kürze und mit notwendigen Informationen. Der Gala-Abend war ein (fast) eigenständiger Beitrag des Theaters Magdeburg.

Vom Pult aus "trieb" der britische Dirigent und international renommierte Weill-Experte James Holmes die spürbar freudvoll konzertierende Magdeburgische Philharmonie zu gut ankommenden Klang-Erlebnissen - sowohl in den leisen einfühlsamen Sequenzen als auch den expressiven, mit viel Bläserdominanz bestückten Passagen. Holmes war zwei Jahre zuvor selbst Artist-in-Residence des Kurt-Weill-Festes in Dessau.

Einen noch unmittelbareren Anteil an der künstlerischen Umsetzung des diesjährigen Festivalmottos "Vom Lied zum Song" hatten die Magdeburger Gesangssolisten Ute Bachmaier und Julie Martin du Theil (beide Sopran), Undine Dreißig und Sylvia Rena Ziegler (beide Mezzosopran), Markus Liske (Tenor), Roland Fenes (Bariton) sowie Paul Sketris (Bass). Zur tenoralen Verstärkung wurde Arthur Shen verpflichtet.

In Soli, Duetten, im Quartett oder als Ensemble interpretierten sie sehr engagiert die den Liedern und Songs innewohnenden reizvollen Stimmungen und Gefühlslagen in einer faszinierenden Bandbreite von emotional einfühlsam bis lauthals fordernd, von verliebt, sehnsüchtig, traurig bis böse, satirisch und humorvoll.

Bis zur Pause konnten die Gäste kurze, jedoch treffliche Auszüge des "europäischen" Weill mit in Berlin und Paris geschaffenen Werken hören, unter anderem dem "Kanonensong" aus der "Dreigroschenoper" (1926) oder "Surabaya-Johnny" aus "Happy End" (1929) sowie "Le grand Lustucru" aus Marie Galante (1934).

Mit dem furios vorgetragenen "Ice Cream Sextett" aus "Street Scene" (1947) wurden die Gäste in die Pause geschickt und auf die New Yorker Schaffensperiode eingestimmt. Hier erklangen repräsentative Auszüge unter anderem aus "One Touch of Venus" (1934), "Johnny Johnson" (1936) und "The Firebrand of Florence" (1945).

Das gesamte gut aufgelegte Ensemble verabschiedete sich mit "Here I`ll Stay" aus "Love Life" (1948). Es folgte starker Beifall für einen Abend, der den Namen Gala durchaus verdiente.