Bernburg (dpa) l Traditionelles Liedgut, aber auch Pop, Gospel, Schlager und zeitgenössische Kompositionen sind in Sachsen-Anhalts Chören beliebt. Doch gerade beim Blick auf den Nachwuchs geht es nicht immer ganz harmonisch zu, wie Reiner Schomburg, Präsident des Chorverbandes Sachsen-Anhalt, sagte. "Ein Problem einer ganzen Reihe von Männerchören ist die zu starke Verhaftung in der Vergangenheit, was Rituale und Chorliteratur angeht."

Diese Orientierung stoße junge Sänger häufig vor den Kopf, so dass eine Verjüngung nicht stattfinde und der Chor aus Altersgründen irgendwann sterbe, erläuterte der Verbandspräsident. Allerdings reagierten viele Chöre auch darauf, dass bei den Zuhörern moderne Arrangements, Gospel und Schlager besser ankämen als Chöre, die sich ausschließlich auf klassische Literatur und Volkslieder konzentrierten. Vor allem in Kinder- und Jugendchören werde inzwischen vorrangig Zeitgenössisches gesungen, "was auch zu Kritik von unseren älteren Sängern führt".

Die Chorlandschaft lebt vom Wandel: Zwar kann von einem allgemeinen Chorsterben nicht die Rede sein, aber die Chöre werden kleiner. Die neu hinzukommenden Sänger können die ausscheidenden nicht ersetzen, und neu in den Chorverband eintretende Chöre sind kleiner als die, die sich abmelden.

Den zuletzt vorliegenden Zahlen zufolge gehörten dem Chorverband Sachsen-Anhalt zum Stichtag 30. April 375 Chöre in 355 Vereinen mit 12 000 Sängern, fördernden Mitgliedern und Funktionären an. Im Vorjahr waren es zum gleichen Zeitpunkt 377 Chöre in 355 Vereinen mit 12295 Angehörigen.