Zur Person
Hans Ticha, 1940 im tschechischen Tetschen geboren, studierte in Leipzig Kunsterziehung und Geschichte und war als Lehrer tätig, bevor er 1965 an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee sein Studium bei Kurt Robbel, Werner Klemke und Arno Mohr begann. Ab 1970 freiberuflich in Berlin (Ost). Bis 1990 wurde sein Atelier Am Kollwitzplatz in Berlin zum Treffpunkt junger Künstler.

Ticha arbeitete für die wichtigen Verlage in der DDR und die Büchergilde Gutenberg im Westen.

Magdeburg l Zwei Fußballspieler kämpfen um den Ball. Muskelschwer sind die Oberschenkel und Waden. Sie wirken wie künstliche Aufblaspuppen. Die Köpfe kugelrund, winzig klein, wie Fremdkörper zur voluminösen Muskelmaschine. Dynamik ist im Bild, Emotionen aber fehlen. Gesichtslos sind die Kicker - typisch für Hans Tichas Arbeiten.

"Seine offizielle Kunst bestand zum größten Teil aus Sportbildern. Sport sei das einzige Gebiet gewesen, in dem er sich öffentlich austoben, auch Kritik üben konnte, erklärt Ticha", schrieb das renommierte art-Magazin im vergangenen Jahr über den Künstler.

Sportler, Marschierer, Fahnenträger, Klatscher, Ja-Sager, große Münder, aus denen man begeisterte Hoch-Rufe zu hören meint. Bei Ticha bleibt wenig vom Menschen, da wird alles fokussiert auf überdimensionale Hände, die klatschen und schütteln und sich hochleben lassen, auf schreiende Münder, ausdruckslose Köpfe. Widerspruch ist ihnen fremd. Es ist seine künstlerische Kritik gewesen. Viele Arbeiten wurden zu DDR-Zeiten nicht der Öffentlichkeit gezeigt.

In der Ausstellung im Literaturhaus sind die Marschierer-Arbeiten nicht zu sehen, dafür stößt der Betrachter immer wieder auf Motive aus dem Sport. Eishockeyspieler, Läufer beim Start, Hürdensprinter, Tennisspieler oder Tichas Schlagersängerin mit breiten, festen Hüften, der Fisch in der Dose, Frauenbeine auf Pumps und Rollerblades. "Frauenquote" nennt der Künstler die drallen Damenbeine. Es ist eine seiner jüngeren Arbeiten.

Politisch ist sein Wirken geblieben. Und sehr persönlich. Seine ausgestellte Arbeit zur Wahl steht beispielsweise dafür. Der Kandidat mit Schlips und Megaphon, aus dem der Spruch tönt: "Und weil ich ein Esel bin, so rat ich euch, den Esel zum König zu wählen; wir stiften das große Eselsreich, wo nur die Esel befehlen." Nebenan fällt der Wahlzettel mit dem Kreuz in die Urne.

Hans Ticha, so sagt Laudator Peter Labuhn, habe von Anfang an die Betrachter polarisiert. "Einer begeisterten Fan-Gemeinde steht die Allianz der konsequenten Ablehner gegenüber."

Es sind weniger die Inhalte als die Form, die entzweien. Ticha, der an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee studiert hatte, ließ sich vom Russischen Konstruktivismus, Künstlern des Bauhauses wie Oskar Schlemmer und der kubistischen Formensprache eines Fernand Légers leiten und inspirieren. Man nennt ihn oft im Zusammenhang mit der amerikanischen Pop Art.

Ticha, der in Ost-Berlin lebte, mit der Wende die DDR verließ, erst nach Mainz zog, dann in die Nähe von Frankfurt am Main, hat seinen eigenen Stil entwickelt. Die Galerie Läkemäker in Berlin nennt ihn Ticha-Ikonografie: "Konstruktion und Figuration, Typografie und grafische Gestaltung, persönliches Erleben und mutiges Offenbaren verzahnen sich in einer einzigartigen künstlerischen Sprache."

Die ist auch in seinen Buchillustrationen erkennbar. Die Ausstellung im Literaturhaus zeigt den Künstler als Buchgestalter. Hans Ticha arbeitete für die bekannten Verlage der DDR. Er gestaltete Einbände für "Raskolnikow auf dem Lande" von Oskar Maria Graf (Aufbau-Verlag) oder "Der Esel als Amtmann" von Gerhard Branstner (Buchverlag Der Morgen) oder Rainer Kirschs Kinderbuch "Vom Räuberchen, dem Rock und dem Ziegenbock". Auch komplette Hartpappebücher wie "Hurra! Hurra! Hurra! Die Feuerwehr ist da!" hat er nach dem Text von Heinz Kahlau bebildert. Ebenso Joachim Ringelnatz, Erich Kästner, Christian Morgenstern. Mehr als 80 Bücher hat er illustriert, hinzu kommen zahlreiche Einbände.

Im Mittelpunkt der Ausstellung aber stehen die etwa 40 Arbeiten von Ticha als Grafiker und Illustrator. Dass der Künstler sie zur Verfügung gestellt hat, ist dem persönlichen Kontakt des Vereins der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt "Willibald Pirckheimer" zum Künstler zu verdanken. Er wird zur Ausstellungseröffnung am 15. April anwesend sein.

Ausstellungseröffnung am 15. April um 19 Uhr im Literaturhaus, zu sehen bis 17. Juli, Montag bis Freitag von 10 bis 12 und 14 bis 16 Uhr sowie zu den Veranstaltungen.

 

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