Magdeburg l Der Magdeburger Kantatenchor wagt sich erneut an das aufwendig besetzte "War Requiem" von Benjamin Britten (1913 - 1976). Das selten gespielte Werk wird am 14. Mai im Magdeburger Dom als Gedenkkonzert anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes erklingen.

Britten, produktiver Komponist, großer Pianist und Dirigent, hat die lateinische Totenmesse vertont und lässt Antikriegslyrik von Wilfred Owens einfließen. Owen, der im Alter von 25 Jahren im Ersten Weltkrieg gefallen war, und Britten waren Pazifisten. Brittens "War Requiem" ist denn auch ein großes Werk gegen Gewalt, gegen Krieg, für Frieden, für Versöhnung.

Es wurde im Mai 1962 anlässlich der Einweihung der Kathedrale von Coventry uraufgeführt. Bei einem deutschen Luftangriff war der Vorgängerbau zerstört worden. Damals sangen zur Versöhnung englische und deutsche Künstler.

Zum 50. Jahrestag der Uraufführung hatte der Kantatenchor das "War Requiem" bereits aufgeführt. "Damals hatte ich schon die Vision, es vielleicht noch einmal zum 70. Jahrestag des Kriegsendes zu erarbeiten", sagt Tobias Börngen, Leiter des Kantatenchores, der erneut die Gesamtleitung des Gedenkkonzertes übernimmt.

Er weiß also bestens um das organisatorische Unterfangen und die schwierige musikalische Einarbeitung. Zwei Orchester, mehrere bis zur 12-Stimmigkeit geteilte Chöre, ein Kinderchor, die große Orgel. "Alles zusammenzukriegen ist wie ein Fünfer im Lotto", sagt Börngen. Magdeburgische Philharmonie, Magdeburger Singakademie, der Kantatenchor, Kinderchöre der Paulus-Singschule und eine 7. Klasse der Waldorfschule unter Leitung von Bernhard Schneyer, die Solisten Anita Bader (Sopran), Peter Diebschlag (Tenor) und Roland Fenes (Bariton) sowie Kathedralmusiker Matthias Mück an der Orgel werden das Konzert gestalten.

"Wir sind jetzt auf der Zielgeraden", sagt Börngen. Die Probendichte werde größer. Zwei Proben pro Woche, vor dem Konzert jeden Tag. Anders sei dieses "unglaublich komplexe Werk" nicht machbar.

Börngen spricht voller Hochachtung von Brittens musikalischen Techniken und Strukturen, mit denen er ein Werk voller Emotionalität schafft. "Es zieht einen in den Bann", sagt Börngen. Ergreifende Stellen mit großem Schlagwerk seien wie Bomben und Gedröhn auf dem Schlachtfeld. Ausschlaggebend für diese Intensität seien Brittens Erfahrungen, sagt Börngen. Britten hat das Elend live erlebt, er hat im befreiten KZ Bergen-Belsen Musik gemacht, vor Häftlingen gespielt. Der Chorchef: "Er war traumatisiert. In der Musik hört man das. Und man hört diesen Wunsch nach Freiheit, nach Leben."

"War Requiem", 14. Mai, 17 Uhr, Magdeburger Dom, Karten auch an der Abendkasse.