Magdeburg l In keiner anderen Stadt war Carmen Nebel mit ihrer ZDF-Show häufiger zu Gast als in Magdeburg. Da war die Fußballeinlage aus Anlass des 50. Geburtstages des FCM schon beinahe Ehrensache.

Bereits zum achten Mal präsentierte die TV-Moderatorin "Willkommen bei Carmen Nebel" mit nationalen und internationalen Show-Acts aus Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt. Bis zu zehn Millionen Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz schalten regelmäßig ein.

Patrick Lindner als Kontrast zu Santiano

Mit von der Partie waren an diesem Abend der italienische Superstar Eros Ramazzotti, der weltweit über 50 Millionen Platten verkauft hat, der irische weltbekannte Sänger und Komponist Chris de Burgh sowie die Österreicher Andreas Gabalier, auch als Almrocker bekannt, und Folklore-Sänger Hansi Hinterseer.

Der Münchner Schlagersänger Patrick Lindner bot eine Art Kontrastprogramm zu der auf den Wogen des Erfolges schwimmenden Band "Santiano". Die gestandenen Nordlichter aus Schleswig-Holstein, die mit ihrer Musik traditionelle Volkslieder, Schlager, Irish Folk und Seemannslieder mischen, sind immer noch selbst über die ungeheuer positive Publikumsresonanz überrascht.

Das Duo "Glasperlenspiel" samt Band mit Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg überzeugte mit einer sehr emotionalen Eigenkomposition. Sie haben sich übrigens nach dem Roman "Das Glasperlenspiel" von Hermann Hesse benannt. Christina Stürmer, die überaus populäre österreichische Rock-Pop-Sängerin, war bereits das dritte Mal in der Samstagabend-Show und stellte ihren neuen Titel "Was wirklich bleibt" vor.

Guildo Horn, das Enfant terrible des deutschen Schlagers, ließ es sich nicht nehmen, per Tretroller "Guildo hat Euch lieb" zu trällern, während Bluma, eigentlich Jessica Sperlich, als außergewöhnliche Sängerin mit ihrem "Gipsy Pop", einer Mischung aus Gipsymusik-Klängen, Balkan-Beats und Popsounds, Aufmerksamkeit erregte.

"Milli Vanilli" singen nun selbst

Geheimnisumwittert gab sich "The Dark Tenor". Der Name ist das Pseudonym eines Künstlers aus dem Crossover-Genre, der nie sein Gesicht zeigt, das durch ein dunkles Netz verdeckt wird. Sein bürgerlicher Name ist unbekannt. Er verbindet populäre Melodien aus Opern und Sinfoniekonzerten mit neuen Texten und Melodien aus der Popmusik.

Nicht zu vergessen das Deutsche Fernseh-Ballett, das schon vor Jahren vor dem Aus stand und unter anderem von Carmen Nebel gerettet wurde. Glanzlichter des Abends waren außerdem das Ensemble von "Elvis - Das Musical" oder der Bruder des Alm-Rockers Andreas Gabalier,Willi Gabalier, der als exzellenter Turniertänzer zusammen mit seiner Partnerin Christiana Leuthner das Publikum begeisterte.

Mit "Face meets voice" gab es dann noch eine richtige Sensation. "Milli Vanilli" war ein von Frank Farian produziertes Discopop-Duo, das aus Fab Morvan und Rob Pilatus bestand. Der anfangs große Erfolg des Duos endete 1990 in einem Skandal, als bekannt wurde, dass sie keines ihrer Lieder selbst gesungen hatten.

Nachdem Rob Pilatus starb, kamen Alt-Milli-Vanilli Fab Morvan und John Davis, der schon damals seine Stimme dem Duo geliehen hatte, durch einen Zufall in den USA bei Dreharbeiten zusammen. Daraus entstanden die neuen "Milli Vanilli", die aber nun wirklich selbst singen. In Magdeburg stellten sie erstmals ihr neues Album, "The True Milli Vanilli Experience" vor, das keine Milli-Vanilli-Kopie sein soll.

Carmen-Nebel-Konzept ist bewährt, aber kaum aufregend

Zentrales Thema des Abends war der Eurovision Song Contest, der am Sonnabend in Wien stattfindet. Guildo Horn, der Deutschland 1998 bei diesem Musikwettbewerb vertreten hatte, wetteiferte mit Ireen Sheer erfolglos in einem Wissensquiz zu diesem Thema, um dann als Jurymitglied den singenden Köchen, Kolja Kleeberg, Nelson Müller und Patrick Lindner, zusammen mit Andreas Gabalier und Promi-Koch Eckart Witzigmann für ihre Elvis-Interpretationen die "Grüne Gitarre" als Preis zu überreichen.

"Zu Gast bei Carmen Nebel" war zweifellos ein unterhaltsamer Abend. Die Mischung aus modernisiertem Volksliedgut und interessanten Ausflügen in Richtung Rock und Pop hat das durchschaubare Anliegen, verlorene Zuschauergunst zurückzugewinnen. Das Konzept ist bewährt, aber kaum aufregend. "Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen. Und jeder geht zufrieden aus dem Haus" heißt es in Goethes Faust. Wohl wahr.

 

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