Volksstimme: Sie sind Gelsenkirchener, neben dem Schalke-Stadion aufgewachsen. Lag es da nicht nahe, Fußballer zu werden?
Ich habe als kleiner Junge tatsächlich im Stadion Glückauf-Kampfbahn Fußball gespielt, aber bei Teutonia Schalke. Da waren unsere Väter unsere Trainer und arbeiteten ehrenamtlich, während bei Schalke die Trainer geschulte Experten waren. Hätten meine Eltern mich bei Schalke 04 angemeldet, hätte ich vielleicht eine Karriere als Fußballprofi gemacht und dies wäre jetzt ein Interview mit dem Trainer vom 1. FC Magdeburg. (lacht)

Dann wären Sie jetzt Meister. Sie wurden aber kein Fußballer und kein Trainer, sondern Schauspieler. Schauspieler sagen, was ein anderer geschrieben hat. Was trieb Sie zum Kabarett?

Genau das. Ich habe sieben Jahre an verschiedenen deutschen Stadttheatern gearbeitet. Die Momente, in denen es wirklich kreativ zuging, das Erarbeiten von Texten wirklich Freunde gemacht hat, waren äußerst selten. Ich hatte es teilweise mit talentfreien, diktatorisch arbeitenden Regisseuren zu tun. Das war alles andere als spaßig. Außerdem darf man nicht vergessen: Ein Stadttheater ist eine Behörde, in der bisweilen eine entsprechende Beamtenmentalität vorherrscht. Wenn man das weiß, versteht man auch, warum die Qualität deutscher Theater ist, wie sie ist.

Dann haben Sie aber die Seite gewechselt und waren selbst Regisseur.
Ich habe gedacht, ich kann Schauspielern all die Freiräume bieten, die ich mir selbst gewünscht habe, aber dann hatte ich Schauspieler vor mir, die ihrerseits nur Anweisungen befolgen wollten. Ich habe mir gesagt, Schluss damit. Ich wollte mein eigener Autor, mein eigener Regisseur, mein eigener Darsteller sein.

Sie haben mit einer Comedyshow im Fernsehen angefangen.
Sie hieß Crazy-Party-Gaga-Musical-Comedy-Show. Ich habe aber immer wieder politische Analysen in die Comedy-Gags eingebaut. Was der Sender aber nicht wollte. Daraus entstand ´ne ziemlich spannende Geschichte.

Die politische Analyse ist Ihr Markenzeichen geworden. Sie wurden im vergangenen Jahr geadelt, als Sie mit dem Deutschen Kleinkunstpreis geehrt worden sind. Die Jury lobte Ihre analytische Schärfe. Wann haben sich Ihre Texte verändert?
Eines Tages gab es plötzlich, quasi über Nacht, die Finanzkrise. Das hat bei mir einen Schalter umgelegt. Man hat mitgekriegt, dass die Leute, die man wählt und die unsere Interessen vertreten sollen, auch nur der Musik hinterherlaufen. Ich dachte mir: Wenn du dich mit den Mächtigen beschäftigen willst, wieso hältst du dich dann mit Politikern auf? Also reichte ein Programm mit Merkel-Witzen nicht mehr aus. Als Kabarettist ist man dann gefordert. Man muss hinterfragen, recherchieren und analysieren.

Sie bringen sehr Komplexes wie die Finanzpolitik auf den Punkt und allgemeinverständlich ans Publikum. Ist das Talent?
Keine Ahnung. Vielleicht habe ich da anscheinend eine Begabung, Sachverhalte zu durchdringen und satirisch zu vereinfachen. Ich weiß ja, dass ich nicht Vorträge für ein Fachpublikum schreibe, sondern Texte für die Allgemeinheit. Andererseits würde ich das mit dem Talent nicht zu hoch hängen. Wenn ich bei einer Schiffsfahrt plötzlich mit 20 anderen Passagieren ins Rettungsboot muss und auf einer einsamen Insel strande, bin ich der Erste, der entbehrlich ist. Ich kann weder einen Baum fällen oder Brot backen, nicht mal eine Kokosnuss öffnen.

Gibt es noch etwas, wovon Sie keine Ahnung haben?
Ich kann nicht singen, nicht Klavier spielen und kann kein Musikinstrument. Das ist andererseits auch gut. In meinem Programm gibt es keinen Schnickschnack.

Welcher Politiker leidet bei Ihnen am meisten?
Keiner. Ich war schon Kabarettist, als Helmut Kohl Kanzler war. Da war Kohl die Zielscheibe. Dann kam Rot-Grün, und die waren erst recht Zielscheibe, weil ich ja in meiner Jugend grün sozialisiert wurde. Kabarett heißt für mich immer außerparlamentarische Opposition.

In Ihrem Programm "Super Vision" gehts also um die Regierungsparteien?
Klar, dass die Große Koalition dran ist. Sie schafft eine Lähmung im Land, die unerträglich ist. Beide Parteien nehme ich mir vor, auch die SPD-Basis, die ja befragt worden ist und mehrheitlich für die Große Koalition gestimmt hatte. Ich frage mich schon, ob SPD nicht für Sehr peinliche Deppen steht.

Auf Ihrer Homepage sprechen Sie die Freunde des weltverbessernden Kabaretts an. Kann man als Kabarettist denn die Welt verbessern?
Ja natürlich! Edmund Stoiber hat 2002 die Wahl zum Bundeskanzler gegen Gerhard Schröder mit nur 6000 Stimmen verloren. Diese 6000 Wählerinnen und Wähler haben ihre Entscheidung damals in meinem Kabarettprogramm gebildet. Wenn das keine Weltverbesserung war!

HG. Butzko gastiert mit "Super Vision" am 29. Mai um 20 Uhr in der Magdeburger Zwickmühle.