Imposant, vielfältig, faszinierend : So könnte man mit wenigen Attributen die Ausstellung " Der Dinge Stand 2010 " beschreiben. Auch wenn das Wort " Leistungsschau " überholt oder verpönt sein mag – diese Exposition des Berufsverbandes Bildender Künstler Sachsen-Anhalt ( BBK ) vermittelt auf gleichermaßen sehenswerte wie beeindruckende Weise einen Überblick über das ( berufs- ) künstlerische Schaffen in unserem Bundesland.

Magdeburg. Eines sei vorweggenommen : Es werden einige Jahre vergehen, ehe der oder die Kunstinteressierte wieder Gelegenheit haben wird, in einer einzigen Exposition so viele Genres, Handschriften und Stile betrachten und bewundern zu können. Im vergangenen Jahr hatte der BBK " Der Dinge Stand 2009 " initiiert, die Forsetzung besticht allein schon durch die deutlich größere Vielgestaltigkeit künstlerischer Ausdrucksformen : Fotografie, Design, Glas, Schmuck, Keramik sind in der oberen Etage des Magdeburger City Carrés zu finden, wobei der Ausstellungsort allein schon ein Glücksfall ist.

" Im vergangenen Jahr waren wir ja noch im Forum Gestaltung ", erzählt der Projektleiter der Schau, Frank Borisch. " Wir haben uns nach einem neuen Ort umgesehen und im Management des City Carrés unglaublich begeisterte und kooperative Partner gefunden, die uns nicht nur die Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung gestellt haben, sondern auch enorm bei der Einrichtung und Gestaltung geholfen haben. Allerdings ist eine solche Zusammenstellung mit einem wirklich beträchtlichen Arbeitsaufwand verbunden, den kann man nicht jedes Jahr leisten. " Zweifellos hat sich der Aufwand an Zeit, Kraft und Nerven gelohnt, und wenn Frank Borisch davon erzählt, dass 40 Künstler mit ihren Arbeiten vertreten sind, ist der Stolz darauf nicht zu überhören.

Wie so oft entsteht auch bei " Der Dinge Stand " die Kunst im Auge des Betrachters – nicht alles wird

jede Arbeit verlockt zum Verweilen. Zweifellos aber provozieren die meisten Exponate die Lust zum genauen Hinsehen. Wo Kunst sich dem einen nur als " simple Schönheit " offenbart, verführt sie den anderen zur höchst individuellen Interpretation künstlerischer Botschaften.

Arbeiten bestechen durch ihre Anmut

So beispielsweise bei Dieter Hackebeils " Tropfen auf den heißen Stein oder der Hahn ist tot ". Der Glasgestalter zeigt einen Wasserhahn im Würgegriff – Metapher, Ironie und einfach nur Spaß am Absurden ? Der Besucher muss sich ein eigenes Bild machen. Andere Arbeiten hingegen bestechen durch ihre Anmut – Schmuckstücke von Gabriele Putz oder Egon Sellin. Filigran in Gold und Silber geformte Vorbilder aus der Natur bestimmen die Arbeit von Gabriele Putz, Mohnkapseln und Physalisfrüchte glänzen in gläsernen Vitrinen. Egon Sellin besticht in dieser Exposition mit farbiger Geometrie – einfache Formen finden auf wundersame Weise zu schlichter, aber unverwechelbarer Eleganz.

Filigran, zerbrechlich, verletzlich wirken viele Exponate, allen voran die zahlreichen Arbeiten aus dem Bereich Textilgestaltung. Hier finden sich mit Annedore Policek und Helga Borisch – um nur zwei zu nennen – wahrlich namhafte Vertreterinnen dieser Kunstform. Die Eindrücke, die der Betrachter gerade bei den textilen Exponaten gewinnt, sind besonders breit gefächert – sie reichen von " monumental " bis " schwerelos ".

Will man die Reaktion beschreiben, die viele Arbeiten beim Betrachter hervorrufen, scheint die Formulierung " entzücktes Verharren " treffend zu sein – die pure Freude am Anblick dominiert beim geruhsamen Bummel. Anderes hingegen provoziert zunächst Verständnislosigkeit, um dann den Ehrgeiz des Verstehenwollens zu wecken. So die Arbeiten von Reinhard Rex, der aus Abfällen jedweder Art Zivilisationsbotschaften generiert und eine Gesellschaft in der Krise zeigt – aber das ist natürlich reine Interpretation.

Eine bemerkenswerte Mischung aus Mystik und Realitätsnähe präsentiert Friederike Bogunski mit ihren Arbeiten – während ihr " Flügelwesen " aus einer märchenhaften Welt zu stammen scheint, sind die Fotos der Künstlerin klar dem Hier und Heute zugeordnet.

Vielfalt und Qualität machen " Der Dinge Stand 2010 " zu einer Pflichtveranstaltung für Kunstinteressierte. Und wer das eine oder andere Werk gern länger und öfter betrachten möchte, sollte sich nicht scheuen, nach der Preisliste zu fragen. Gelegenheit dafür ist im City Carré noch bis zum 26. Juni, montags bis sonnabends von 10 bis 20 und sonntags von 14 bis 18 Uhr.