"Richard III." ist ein Historiendrama von William Shakespeare mit sehr vielen Personen und nicht weniger vielen Schauplätzen. Jetzt wagt sich das Puppentheater Magdeburg an dieses Stück - eine Herausforderung für das Theater, den Regisseur und die Puppenspieler.

Von Grit Warnat

Magdeburg. Kein Königspalast auf der Bühne, kein Gefängnis, keine Straßen Londons. Ein riesiger runder (Konferenz-)Tisch hingegen dominiert das Bühnenbild (Christian Beck) - in Anlehnung an Stanley Kubricks Film "Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben" mit dem Tisch und Monitoren im Hintergrund als Zentrum von Kriegsplanung.

Hinter dem Tisch hängt eine Videowand von der Decke. Zur Probe am Montag bleibt sie ein schwarzer Fleck. Im Stück wird sie später einerseits helfen, die Hintergründe zu wechseln, andererseits dient sie als Orientierungshilfe für den Zuschauer, der sich in der Menge der Personen und Familienzugehörigkeiten zurechtfinden muss. 17 Puppen - so manches Gesicht ist einer aktuellen Persönlichkeit nachempfunden (Puppen: Atif Hussein) - werden bei "Richard III." von acht Spielern zum Leben erweckt.

"Diese Personage, auch der Umfang der Geschichte sind schon eine gewaltige Herausforderung", sagt Regisseur Moritz Sostmann. Vor einigen Jahren hätte sich das Theater noch nicht an dieses Großstück gewagt, hatte Frank Bernhardt, der künstlerische Leiter, im Hinblick auf die Premiere gesagt. Für die Aufführung hat das Theater mehrere Spieler "eingekauft".

Das Shakespearsche Drama dreht sich um die Titelperson Richard III., von 1483 bis 1485 König von England. Es geht um sein besessenes Streben nach Macht, um Machtkämpfe, Erbstreitigkeiten, Skrupellosigkeit.

Shakespeares Königsdramen sind umfangreiche Stoffe, "Richard III." ist da nicht ausgenommen. Moritz Sostmann hat die ursprünglich 120 Seiten bereits um die Hälfte gekürzt. "Das ist immer noch sehr viel. Wir werden bis Freitag wohl noch weiter kürzen", sagt der Regisseur, der zuletzt mit der Regiearbeit zu "Corpus Delicti", Juli Zehs Science-Fiction-Szenario einer alles kontrollierenden Gesundheitsdiktatur anlässlich der Eröffnung des Internationalen Figurentheaterfestivals 2009 in Magdeburg von sich reden machte.

Trotz des Raffens und Straffens werden am Ende zwei Stunden intensiven Spiels verbleiben. Für Sostmann, auch Puppenspieler und Schauspieler, sei die Inszenierung sprachlich eine Herausforderung. Auch weil die Figuren im Stück eine Entwicklung vollziehen. Ein Puppenspieler habe selten solch eine Figurenentwicklung, sagt Sostmann. Das sei schwere Arbeit, vor allem für die Hauptperson, die Richard III. verkörpert und fast ununterbrochen auf der Bühne ist. Nis Søgaard spielt diesen Richard.

"Schauspielstoffe kann man manchmal mit Puppen noch treffender erzählen als mit dem klassischen Schauspiel", sagt Sostmann, der "große" Stoffe mag, die "Buddenbrooks" bereits mit Puppen inszeniert hat. Trotzdem bleibe für ihn "Richard III." eine Herausforderung, ein Experiment. "Deshalb sind wir alle sehr gespannt auf den Freitag." Dann ist um 20 Uhr Premiere.

Weitere Aufführungen werden am 26. Februar sowie am 12. und 13. März zu erleben sein