Vor 50 Jahren - am 25. Mai 1961 - wurde in Magdeburg die "Arbeitsgemeinschaft Georg Philipp Telemann" im Rahmen des Deutschen Kulturbundes ins Leben gerufen. Die Pflege der Musik und die Popularisierung des Lebens des in Magdeburg geborenen Barockkomponisten waren die Intensionen der Gründer. Bis heute ist der Telemann-Arbeitskreis Förderer und Impulsgeber der Telemann-Pflege und Forschung in Magdeburg. Am Sonntag erhält der Verein den Telemann-Preis der Stadt Magdeburg.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Das Leben und das Werk Georg Philipp Telemanns liegen jedem der rund 50 Mitglieder des Magdeburger Telemann-Arbeitskreises e.V. am Herzen. Aber viel mehr als nur das bloße Interesse an Historie und Person geht es dem Verein darum, mit und durch seine Musik das Musikleben der Stadt zu bereichern und auch darum, aus der ganzen Fülle der bisher noch wenig erforschten regionalen Musikgeschichte musikalische Schätze zu heben und zum Klingen zu bringen.

"Es gibt noch sehr viel zu tun", sagt die Vereinschefin Christine Sommer, "weil in und um Magdeburg so viele Musiker wirkten, die bis heute noch immer vergessen sind, obwohl sie in ihrer Zeit geschätzte und hoch geachtete Persönlichkeiten waren. Das geht von Telemann, dessen wunderbares und umfangreiches Werk noch immer viel zu wenig bekannt ist, über beispielsweise Heinrich Rolle oder auch Musiker, die im 20. Jahrhundert hier wirkten, wie etwa Otto Kobin." Dessen großen Nachlass hat der Arbeitskreis erworben, und ist noch dabei, ihn zu sichten.

Für Telemann konnte der Arbeitskreis bisher das meiste bewirken. Hier sind vor allem die Telemann-Sonntagsmusiken zu nennen. Bereits am ersten Novembersonntag des Gründungsjahres erklang die erste Sonntagsmusik, und seit damals ist an jedem 1. Sonntag im Monat Musik von Telemann und seinen Zeitgenossen in Magdeburg zu hören. Am 6. März erklingt bereits die 493. Telemann-Sonntagsmusik. Sie ist die bis heute deutschlandweit am längsten ohne Unterbrechung stattfindende Kammermusikreihe. Von Beginn an war der Telemann-Arbeitskreis Veranstalter, und er trägt und fördert die Reihe jetzt gemeinsam mit der Stadt Magdeburg. Von der ersten Sonntagsmusik an wurde Wert auf eine der Barockmusik entsprechende qualitativ ausgezeichnete Interpretation gelegt, bereits in einer Zeit, in der weltweit die Bemühungen um eine historisch genaue Aufführungspraxis noch ganz am Anfang standen. Hohe Qualität und abwechslungsreiche Programmgestaltung waren und sind das Erfolgsgeheimnis der Reihe.

Magdeburg ist heute eines der international renommierten Standorte der Barockmusikpflege, dies vor allem durch das Zentrum für Telemannpflege und -forschung, auch dies ein Kind des Arbeitskreises. Musikwissenschaftliche Arbeit wie die Herausgabe der Telemann-Werke und die Vorbereitung wie Durchführung der Telemann-Festtage und der Internationalen Telemann-Wettbewerbe im Wechsel obliegt ihm. Der 6. Wettbewerb beginnt am 12. März.

Der Magdeburger Telemann-Arbeitskreis ist gegenwärtig Initiator einer vielseitigen Telemannpflege. Dieser Tage konnte ein Auftrag an die Steinmetzfirma Detlev Roßdeutscher ausgelöst werden, damit die Gedenkplakette für Telemann, die der Großvater Max Roßdeutscher als erstes sichtbares Denkmal für den Komponisten 1967 schuf, wieder an der Goldschmiedebrücke aufgestellt werden kann. Wegen der Neubauten war sie in den Neunzigern abgebaut worden. Nun haben Studenten eine neue Stele entworfen.

Jugendförderung ist auch eines der großen Themen für den Telemann-Arbeitskreis. So betreut er zu den Festtagen das Kinder- und Jugendprogramm "Telemann für Schüler", und er vergibt alljährlich bei "Jugend musiziert" einen Sonderpreis für die beste Interpretation eines Telemann-Werkes.

Am 28. Mai wird es im Magdeburger Gesellschaftshaus ein Festkonzert geben, mit dem der 50. Gründungstag des Arbeitskreises gefeiert wird. Dann erklingen auch historische Instrumente, die der Arbeitskreis für die Stadt Magdeburg bewahrt hat. In dem Saal steht z. B. die historische Reubke-Orgel, die einst im Hause des Magdeburger Domorganisten August Gottfried Ritter stand und nach sehr wechselvollem Schicksal gerettet und restauriert wurde. Der Arbeitskreis hatte 1994 die stark beschädigten Reste des Instruments erworben und die Restaurierung des Instruments ermöglicht.

Wenn heute Magdeburg weltweit die bekannte Telemann-Stadt ist, so war all dies nur durch das Wirken des Telemann-Arbeitskreises möglich. Die Ehrung durch den Telemann-Preis der Stadt ist eine überfällige Anerkennung, aber, wie Christine Sommer sagte, vielmehr noch Ansporn für weitere Aktivitäten.