Halle (dpa). Die Zukunft des Thalia Theaters in Halle ist weiter ungewiss. Die Theater, Oper und Orchester GmbH bezeichnete die Unterzeichnung eines Haustarifvertrags gestern als unsicher und führte dies auf eine spezielle Vertragsklausel zurück, die die Gewerkschaft Verdi fordert. Sie wolle sich damit die Möglichkeit offen halten, bei der nächsten Tarifrunde für den öffentlichen Dienst im Jahr 2012 höhere Löhne zu fordern statt wie geplant zusätzliche freie Tage, sagte der Geschäftsführer der Theater AG, Rolf Stiska. Im Tarifvertrag soll der Lohnverzicht der Beschäftigten der städtischen Bühnen zur Rettung des Thalia Theaters festgeschrieben werden.

Stiska sieht damit die geplanten Einsparungen gefährdet. Der zuständige Verdi-Fachbereichsleiter Michael Kopp hingegen sagte, die Klausel solle nicht gezogen werden, sondern werde aus juristischen Erwägungen heraus gefordert. Die Gewerkschaft habe sonst keine Möglichkeit, Beschäftigte 2012 etwa zu Warnstreiks aufzurufen, weil sie schon auf Tariferhöhungen verzichtet habe, sagte Kopp. Er sprach von einem Schwarze-Peter-Spiel. Die Gewerkschaft habe sich immer konstruktiv beteiligt an den Gesprächen zum Erhalt des Theaters. Sie habe auch ein Sonderkündigungsrecht angeboten für den Fall, dass die Klausel 2012 genutzt werde.

Der Haustarifvertrag wird nach Stiskas Angaben für rund 450 Mitarbeiter verhandelt. Rund die Hälfte werde von Verdi vertreten. Komme der Haustarifvertrag nicht zustande, müsse das Thalia Theater zum Ende der laufenden Spielzeit schließen. Schon zum 31. März werde er die ersten betriebsbedingten Kündigungen für technische Mitarbeiter aussprechen, sagte Stiska. Er betonte, dass das kein Druckmittel sein solle in den Verhandlungen. Es gehe um die wirtschaftliche Lage der Kultur GmbH. In der laufenden Spielzeit müsse er 540 000 Euro durch den Tarifvertrag einsparen bei einem Gesamtbudget von rund 37 Millionen Euro.