Zum 6. Mal findet in Magdeburg der Internationale Telemann-Wettbewerb statt, der in diesem Jahr für Barockvioline und Viola da gamba ausgeschrieben ist. Bevor gestern die Wettbewerbsvorspiele begannen, begrüßten die Musiker des Ensembles Mediolanum, Preisträger des 1. Wettbewerbes, am Sonnabend die Teilnehmer dieses Jahres mit einem festlichen Eröffnungsprogramm.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Als sich der Gartensaal im Magdeburger Gesellschaftshaus am Sonn- abendnachmittag füllt, kamen zahlreiche junge Konzertgäste mit Geigenkästen und Koffern für die großen Gamben. 35 junge Musiker aus 17 Ländern sind angereist, um sich in dieser Woche dem Urteil der Jury zu stellen. Aber ihre Instrumente blieben vorerst noch verpackt.

Diejenigen, die zur Eröffnung musizierten, hatten ihren Wettbewerbsauftritt bereits hinter sich. Das war vor genau zehn Jahren. Die Flötistin Sabine Ambos, Felix Koch am Barockvioloncello und die Cembalistin Wiebke Weidanz vom 1999 gegründeten Ensemble Mediolanum aus Frankfurt a. M. hatten sich für den 1. Internationalen Telemann-Wettbewerb 2001 beworben, und sie bekamen nicht nur die Zulassung, sie setzten sich in der schon damals harten Konkurrenz durch und errangen einen 2. Preis.

Inzwischen ist das Ensemble international hoch geachtet, die Musiker sind gefragte Spezialisten für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts. Sie werden weltweit zu Konzerten und großen Festivals eingeladen, und sie sind inzwischen die Lehrer. Alle drei nehmen Lehrverpflichtungen wahr.

Das Beste sei, so sagte es Professor Felix Koch, dass das Ensemble in den zehn Jahren seit dem Wettbewerb immer den Kontakt zu Magdeburg gehalten hätte. Es gastierte bei Telemann-Sonntagsmusiken und bei Telemann-Festtagen. Im vergangenen Jahr gestaltete Felix Koch das Programm Telemann für Kinder.

Ihr Programm zur Eröffnung des 6. Internationalen Telemann-Wettbewerbs begannen die drei Musiker genau mit dem Stück, welches sie in ihrem Wettbewerbsprogramm vor zehn Jahren gespielt hatten, Telemanns Partita Nr. 2 G-Dur aus der 1716 in Frankfurt entstandenen Kleinen Cammer-Music, und sie begeisterten das fachkundige Publikum auch jetzt wieder, vor allem, weil sie den sehr virtuosen und recht verschiedenartigen Sätzen jeweils ihren ganz besonderen Charakter zu geben vermochten, so dass gleich die Eingangsmusik die Vielgestaltigkeit von Telemanns Musik deutlich zeigte.

Trefflicher Ansporn für die Teilnehmer

Der Präsident des Wettbewerbs und der Internationalen Vereinigung der Telemann-Gesellschaft Professor András Székely begrüßte die Teilnehmer und die Kultusministerin des Landes Birgitta Wolff überbrachte Grüße vom Schirmherren, dem Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer, bevor das Mediolanum-Trio weitere sehr interessante Werke von Telemann und seinen Zeitgenossen spielte.

So erklang beispielsweise eine Sonate in C-Dur für Blockflöte und Basso continuo des flämischen Komponisten John Loeillet of London, der seinerzeit als Flötenvirtuose berühmt war. Sabine Ambos spielte den Solopart außerordentlich klangschön und mit makelloser Technik. Den meisten Beifall aber bekam die Cembalistin Wiebke Weidanz, die mit Telemanns A-Dur-Suite für Cembalo als Solistin brillierte. Das Werk, TWV 32:14, war ursprünglich Johann Sebastian Bach zugeschrieben worden (BWV Anhang 824), bevor man später das Telemannsche Autograph fand, ein Beispiel mehr, dass Bach den Magdeburger sehr hoch schätzte, indem er diese Komposition in sein Clavier-Büchlein 1720 aufnahm. Wiebke Weidanz beeindruckte mit ihrer Virtuosität, vor allem aber durch die wunderbare tänzerische Gestaltung des charmanten kleinen Werkes.

Schließlich erklang noch eine Sonate von Georg Friedrich Händel, bevor das Programm mit einem weiteren Frankfurter Telemann-Werk schloss, ebenfalls eine Partita aus der Kleinen Cammer-Music, der Nr. 5 in e-Moll. Das vielfarbige Programm begeisterte die Konzertbesucher, und es dürfte den Wettbewerbsteilnehmern ein trefflicher Ansporn gewesen sein.