Magdeburgs Puppenspieler erweisen sich im Juni zum wiederholten Mal als "Eroberer". Auf der Suche nach interessanten Orten in der Landeshauptstadt sind sie diesmal auf den Wissenschaftshafen gestoßen. Das auch historisch interessante Areal -nur wenige Minuten zu Fuß vom Alten Markt entfernt - verwandelt sich für einen Abend in eine Traumfabrik.

Von Klaus-Peter Voigt

Magdeburg. Zum fünften Mal erleben die Zuschauer mit "La notte ..." ein Festspiel für die Sinne. Unter dem Titel "zu neuen ufern" entsteht eine üppige Eröffnungsinszenierung für das neunte Internationale Figurentheaterfestival "blickwechsel", das alle zwei Jahre Künstler aus ganz Europa und aus Übersee anzieht. Es gilt als eines der größten seiner Art in der Bundesrepublik.

Die Begeisterung über das neue Projekt im Wissenschaftshafen ist den Akteuren anzumerken. Intendant Michael Kempchen bringt alles auf einen Punkt. "Wir sind wieder da, diesmal wie schon in der Vergangenheit an einem spannenden Ort", sagt er. Diesen habe man ganz bewusst gewählt. Es handelt sich um einen Platz, der nicht unbedingt im Focus der Stadt steht.

Mit diesem Anliegen, der Erschließung urbaner Räume, gehen die Künstler ihren ganz eigenen Weg. Sie wollen zeigen, wie packend das sein könne.

Kempchen nennt diese Abende, die längst mehr als ein Geheimtipp sind, stets auch Rechercheprojekte. Sie entstünden in Kooperation mit Vereinen, Unternehmen und Menschen. Immer hätten sie auch das Anliegen, ein Stück Heimatgefühl zu vermitteln. Er bedauert, dass solche Orte mit einem ganz eigenen Flair immer rarer würden. Selbst der Wissenschaftshafen sei längst in den Blick der Magdeburger gerückt, aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Die Entwicklung der zurückliegenden Jahre macht das Gelände mit den Rudimenten des ersten Magdeburger Elektrizitätswerks, dem Gebäude eines alten Zuckerspeichers und dem hochmodernen Fraunhofer-Institut interessant.

"Die Erlebnisse, zu denen wir verhelfen wollen, sind etwas eigenes", erklärt der künstlerische Leiter Frank Bernhardt. Er fühle sich bestätigt, wenn noch nach Jahren über solche "La notte..."-Inszenierungen wie im Buckauer Engpass, dem einstigen Zentrum des heute fast vergessenen Arbeiterwohngebiets, oder im Klosterbergegarten gesprochen wird.

Er gewährt einen kleinen Ausblick auf den 18. Juni. Allein die Zahlen sprechen dabei für sich. 150 Künstler aus acht Ländern gestalten die Inszenierung, die erst am nächsten Morgen um 1.30 Uhr mit einem Finale am Hafenbecken endet. Rund 6000 Besucher haben die Chance das Feuerwerk der Kleinkunst mit einer Reihe von Deutschlandpremieren zu erleben. Der Kartenvorverkauf beginnt am 29. März im Puppentheater und im Service-Center der Volksstimme.

Gespielt wird auf 16 Flächen

Tanzaufführungen gehörten ebenso zu den Angeboten wie klassisches Handpuppenspiel, interaktive Installationen und Minikonzerte. 16 Flächen und Bühnen lassen die Qual der Wahl schwer fallen. Das Abakus Theater aus den Niederlanden bringt Fantasiemaschinen mit. Irene Vecchia aus Italien stellt mit "Jammbell" ein Handpuppenspiel vor. In Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut plant Alexander Sementshukov aus Russland das Stück "Der Tänzer und sein Avatar". Dabei sollen die Bewegungen des Künstlers im Elbedom mit einer 360-Grad-Bildwand digital erlebbar werden. Dies sieht Bernhard als besondere Herausforderung, die kommenden Wochen werden zeigen, was machbar ist.

Insgesamt werden zum Figurentheaterfestival vom 18. bis zum 24. Juni rund 10000 Besucher erwartet. Das sind etwa so viel wie vor zwei Jahren. Insgesamt kostet es 270000 Euro, sagte Magdeburgs Kulturbeigeordneter Rüdiger Koch. 40000 Euro steuere die Kommune bei, 120000 Euro würden an Einnahmen erwartet. Unternehmen und Stiftungen deckten als Sponsoren die fehlenden Mittel.