Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Mit den Gästen am vergangenen Donnerstag hat die Reihe "Kunst - Kultur - Karstadt" ein ganz besonderes Geschenk gemacht. "The Tree Wise Men", das sind der Niederländer und Bandgründer Frank Roberscheuten mit Saxofonen und Klarinette, der Mailänder Pianist Rossano Sportiello und der Wiener Martin Breinschmid am Schlagzeug. Sie begannen ihre diesjährige Deutschlandtournee in Magdeburg. Neben der legendären Dutch Swing College Band und der Barrelhouse Jazzband ist das Trio Roberscheutens drittes Lieblingsprojekt, aber wenn diese drei spielen, möchte man dies sogleich an die Spitze setzen.

Soviel Musikalität und soviel fantastische Spielkunst und -kultur sind doch auch unter den Spitzenkünstlern des Genres selten, und dazu kommt noch, dass sich hier ein Trio gefunden hat, dessen stilistisch-interpretatorische Vorlieben und Stärken absolut perfekt zusammenpassen.

Bei ihrem Konzert auf der Karstadt-Bühne stimmte einfach alles. Das begann mit der wunderbaren Sängerin, der amerikanischen Altistin Shaunette Hildabrand, die das Triospiel genial bereicherte, das ging über die gekonnte und genau austarierte Programmdramaturgie mit wirkungsvoll gesetzten Höhepunkten und viel Raum für spannende musikalische Details, einen großen Variantenreichtum und fantastische Soli, bis hin zur tontechnischen Delikatesse. Natürlich sind die "Drei weisen Männer" eine klassische Swingformation, aber zu hören war viel mehr als Swing. Bekanntes und allerlei Wiederentdecktes waren gemischt, und die Oldies aus den 30er/40er Jahren erklangen in so taufrischem Gewand, dass alles klang wie am ersten Tage, etwa, wenn "Stompin at the Savoy" im Originalarrangement des legendären Gene Krupa Trios erklang und Roberscheuten mit wunderbarem Saxofonspiel in allen Klangvarianten sein Spiel treibt - da kann man vor Erstaunen den Atem anhalten, aber auch das pure Vergnügen erleben.

Schlagzeuger spielte auf Holzleiter

Auch der Schlagzeuger wartete mit Besonderem auf. Zu seinem großen Schlagzeugsolo spielte er nicht nur auf Drums und Becken, sondern auch auf einer einfachen Holzleiter zum großen Vergnügen des Publikums. Sein "einfaches" Schlagzeugspiel aber ist schon eine besondere Klasse. Mit meist gedämpftem Blech und sehr trockenem Trommelschlag findet er klangvoll-überraschende Töne, die niemals die Mitspieler "zudröhnen", sondern immer feinsinnig den Triosound komplettieren.

Der Star des Abends aber war doch der Pianist. Rossano Sportiello beherrscht nicht nur das so schwierige Stride-Piano-Spiel, bei dem Bass- und Harmoniestimmen bis zur Duodezime mit der linken Hand gegriffen werden, während die rechte Hand die Melodie spielt und frei improvisiert.

Er spielte auch freie Klavierfantasien etwa nach Beethovens "Pathetique" oder Schumanns "Kinderszenen" und begeisterte damit das Jazzpublikum. Mehr musikalische Klasse ist im Jazz kaum denkbar.