Als 1992 die Sommermusikakademien auf Schloss Hundisburg begannen, war das Barockschloss eine Ruine. Durch die leeren Fensterhöhlen der einzig stehen gebliebenen Fassade des Mittelbaus konnte man den Himmel sehen. Jetzt, wenige Wochen vor Beginn der 19. Hundisburger Sommermusikakademie, konnte der gerade wieder benutzbare Hauptsaal im wiedererrichteten Mittelbau des Schlosses erstmalig gezeigt werden. Das Programm der Akademie wurde jetzt im Festsaal des Schlosses vorgestellt.

Von Liane Bornholdt

Hundisburg. Das Besondere des Heimatkundlichen Stammtisches der KULTUR-Landschaft Haldensleben-Hundisburg e.V. war der Platz, an dem er stattfand. Vom Schlosshof kommend führte der Weg hinauf über eine große Treppe, auf der das Steigen sogleich zum festlichen Schreiten wird. Oben angelangt, trifft man noch auf Plastikplanen statt einer prächtigen Flügeltür, aber jedem, der diese beiseiteschob und in den wiedererrichteten Festsaal des Schlosses trat, blieb förmlich der Atem stehen angesichts der Schönheit, die ihn erwartete.

Der Dresdner Maler Christoph Wetzel, der auch das Deckengemälde in der Dresdner Frauenkirche neu erstehen ließ, hat im Schlosssaal Hundisburg das historische Deckenfresko nach alten Dokumenten neu gemalt, und an diesem Tag war das Kunstwerk erstmalig ohne Gerüst in seiner ganzen barocken Pracht zu sehen. Auch der Saal selbst, zwar noch nicht ganz fertig, aber schon benutzbar, strahlt mit seinem Blick auf den Barockgarten und den stimmigen Proportionen, ausgestattet mit den wenigen aus der Ruine geborgenen Resten der einstigen Wandbemalungen eine wunderbare Harmonie aus.

Der künstlerische Leiter der Sommermusikakademie, Professor Rolf-Dieter Arens, nahm den Saal auf seine spezielle Weise in Besitz. Er setzte sich an den Flügel und spielte ein kleines Stück von Franz Liszt aus den Années de pelerinage, "Den Zypressen der Villa d\'Este". Sogleich war der Bogen zur Sommermusikakademie geschlagen, denn es zeigte sich, dass das architektonische Schmuckstück auch ein Konzertsaal allererster Güte sein wird. Die Akustik ist gleichermaßen klar wie auch warm, tragend, aber gar nicht hallig.

Das Programm der 19. Sommermusikakademie vom 30. Juli bis 7. August aber wird vorerst nur zum traditionellen Wandelkonzert am 5. August in den Saal führen. Richtig in Besitz nehmen soll ihn die Akademie 2012, die dort, so Arens, mit einer Barockoper eröffnet werden wird.

In diesem Jahr führt das Eröffnungskonzert in den Akademiesaal, aber festlich wird es auch, denn dann konzertieren zwei junge Preisträgerinnen, die, so verspricht der künstlerische Leiter, mit außerordentlicher Klavierkunst bezaubern werden. Mit zwei großartigen Kammermusiken, einem Mozart-Streichquartett und dem berühmten Es-Dur Klavierquintett von Schumann wird der Goethesaal im Autohaus Hegner erklingen. Auch Jazz in der Ziegelei wird erklingen mit dem Sieger des New-Voices-Wettbewerbs im Juni und der Formation Drei Wetter Tought.

Das studentische Akademieorchester wird auch in diesem Jahr vom jungen Kapellmeister Johannes Klumpp geleitet und lädt am 3. August zur öffentlichen Probe. Einige der Nachwuchsmusiker sind zum wiederholten Male eingeladen, aber es kommen auch immer neue Teilnehmer, die hier die Praxis des Orchesterspiels erlernen. In diesem Jahr gibt es, wie Klumpp sagt, "ein klassisches deutsches Dreieck" mit Schuberts Unvollendeter, dem Violoncellokonzert a-Moll von Schumann und der 2. Sinfonie von Johannes Brahms. Der Solist des Konzertes ist Peter Philipp Staemmler, der bereits im vergangenen Jahr im Septett mitspielte und begeisterte. Das Abschlusskonzert erklingt zweimal, am 6. August in der Schlossscheune und am 7. August in St. Nicolai in Oschersleben. Zuvor wird aber auch die Andreaskirche im Dorf Hundisburg zum Konzertsaal. Am 4. August spielt hier der Pecussionist Johannes Fischer "Das besondere Konzert".

Karten gibt es auf Schloss Hundisburg bzw. unter Telefon 03904/44265 bzw. kultur@schloss-hundisburg.de.