Sie standen zuletzt etwas im Schatten der Staufer: Nun wird den Saliern eine große Ausstellung in Speyer gewidmet. Die Geschichte der Domstadt ist eng mit den Saliern verbunden.

Von Marc Strehler

Speyer (dpa). Rund 700 Kilogramm ist er schwer, von innen beleuchtbar, und er steht wie ein Fels mitten in der Ausstellung: Der "Krodo-Altar" aus Goslar ist eines der außergewöhnlichsten Exponate in der kunst- und kulturhistorischen Sonderschau, die das Historische Museum der Pfalz von diesem Wochenende an dem mittelalterlichen Herrschergeschlecht der Salier widmet.

"Die Salier. Macht im Wandel" beleuchtet nicht nur das Geschlecht der Salier selbst, sondern gibt auch einen tiefen Einblick in das Leben im 11. und frühen 12. Jahrhundert - das kirchliche, wie auch das in Städten und auf Burgen. Seit gestern steht die Schau dem Publikum offen.

Die Ausstellung ist eine Zeitreise, die alle Formen der Präsentation nutzt - vom Wandtext bis hin etwa zu einer digitalen Rekonstruktion, die die verschiedenen Phasen des Speyerer Doms zeigt. Er wurde vor 950 Jahren geweiht und später zur Grablege der salischen Herrscher. Es ist neben der Kaiser-Krönung Heinrichs V. 1111 in Rom und der Verleihung von Privilegien an Speyer durch den Herrscher eines von drei salischen Jubiläen, die in Speyer mit einem "Salierjahr" gefeiert werden.

Die Schau ist ein Höhepunkte der Feierlichkeiten. Vor den Saliern war Speyer noch als "Kuhdorf" bezeichnet worden, als ein Zentrum der salischen Macht nahm der Ort dann einen Aufschwung. Die Ausstellung beleuchte eine der "bewegendsten Epochen", sagt Museumsdirektor Alexander Koch. Die Kuratorin Sabine Kaufmann meint, die Salierzeit sei eine Phase des Wandels und des Umbruchs gewesen. So sei das Verhältnis der Macht zwischen Kaiser und Papst neu definiert worden.

Geprägt war die Phase vor allem von der Auseinandersetzung Heinrichs IV. und seines Sohnes Heinrichs V. mit der Kirche. Aber auch untereinander waren sich Vater und Sohn nicht grün. Heinrich V. zwang seinen Erzeuger zur Abdankung und riss damit die Macht an sich. Die Ausstellung zeigt Briefe des Vaters an seinen Zögling, in denen er sich über dessen Verrat beschwert.

Die Exponate stammen aus 70 europäischen Museen und Sammlungen. Widmet sich der erste Teil der Ausstellung direkt den Saliern und ihrer Geschichte, so geht es in den folgenden Stationen um andere Bereiche des damaligen Lebens, die aber untrennbar mit den Saliern verbunden sind. So erfährt der Besucher anhand der Exponate, was es zur Weihe eines Doms alles braucht - vom Bischofsstab bis hin zum Weihwassereimer.

Dann geht es um das klösterliche Leben in der Salierzeit. So kann man sich einen Leitfaden für das Leben im Kloster Hirsau bei Calw anschauen. Der Mönch erfuhr darin, was er zu tun hat, wenn ihn während der Messe das Nasenbluten überkommt. Oder was bei starkem nächtlichen Durst zu machen ist? Den Abt wecken, dann gibt es auf der Krankenstation ein Glas Wasser.

In einer zweiten Ausstellung mit dem Titel "Des Kaisers letzte Kleider" geht es um die Konservierung der Grabfunde, die 1900 aus den Grabstätten der Salier im Dom geborgen wurden.

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