Neben der großen neuen Domorgel und der Jehmlich-Orgel in der Konzerthalle des Klosters befindet sich mitten im Zentrum Magdeburgs ein weiteres bedeutendes Instrument: die 2005 erbaute Eule-Orgel der Kathedrale St. Sebastian. In der Bischofskirche steht sie im Mittelpunkt einer eigenen Konzertreihe.

Magdeburg. "Diese Orgel ist der Traum eines jeden Kirchenmusikers", sagt Matthias Mück. Der Kathedralmusiker sitzt am Spieltisch der Eule-Orgel der Kathedrale St. Sebastian, hat fast alle 56 Register gezogen und improvisiert. Mit einem mächtigen Akkord lässt der 1967 in Mainz Geborene sein Stegreifspiel enden und hebt sofort den Zeigefinger. "Hören Sie, wie wunderbar sich der Klang im Raum entfaltet." Aus dem Gewölbe und von den Säulen hallt es wider. "St. Sebastian ist ein idealer Ort, um zu musizieren. Die Kirche hat eine fantastische Akustik, sehr cantabel", sagt Matthias Mück, der hier jeden Tag arbeitet.

Und dann natürlich die Orgel, wie bei jeder Königin der Instrumente, perfekt auf ihr Umfeld abgestimmt. Matthias Mück, der seit 2000 an der Kathedrale wirkt, den Bau des Instrumentes maßgeblich mit vorangetrieben, die klangliche und technische Konzeption der Orgel zusammen mit den Experten der Bautzener Firma Eule entwickelt hat, gerät wie seit der Einweihung immer wieder ins Schwärmen. Auch wenn der fünfte Geburtstag des Instruments bereits mit einem festlichen Konzert gefeiert wurde. "Die Orgel hat ihren eigenen Charakter. Dabei ist sie keine Stilkopie im eigentlichen Sinn, sondern ein Kathedralinstrument mit vielen Facetten." So biete sich die Eule-Orgel für die Darstellung eines großes Repertoires an.

Vom Gedanken der Freiheit beflügelt

Zu einer eigenen Musikreihe laden Matthias Mück und die Kathedralpfarrei der idealen Bedingungen und des besonderen Instrumentes wegen 2011 wieder die musikinteressierte Öffentlichkeit ein. Es gibt elf verschiedene Konzerte. In den meisten ist die Orgel zu hören, aber auch Chor- und Orchestermusik erklingt. Die Künstler, die in St. Sebastian zu erleben sind, kommen dabei aus der ganzen Welt. Matthias Mück: "Diese Internationalität ist gewollt. Ich finde es wichtig, dass wir uns 20 Jahre nach der Wende, vom Gedanken der Freiheit beflügelt, vielen Gästen öffnen und gespannt auf ihre musikalischen Botschaften sind."

Fortgesetzt wird auch eine Reihe mit Domorganisten aus Deutschland. Martin Bernreuther aus Eichstätt kommt. Erklingen wird die Orgel zudem innerhalb der 30. Magdeburger Orgelfesttage. Schließlich ehren die Kathedralmusiken Jubilar Franz Liszt im Rahmen des Tonkünstlerfestes Sachsen-Anhalt. Matthias Mück, Stefan Nusser und Sandra Schilling sind am 19. November an der Orgel zu hören und stellen Liszts Musik neben die von Reubke, Ritter und dem Zeitgenossen Dieter Nathow. "Wir leben im 21. Jahrhundert und sind verpflichtet, die Komponisten der Gegenwart, vor allem wenn sie aus der Region kommen, aufzuführen", sagt der Kathedralmusiker mit einer Selbstverständlichkeit, die er immer häufiger auch bei den Zuhörern findet.

Matthias Mück erinnert aber daran, dass man sich in einem Gotteshaus befinde. Thematische Konzerte wie das zum Advent wollen das besonders betonen. "Die Kirchenmusik hat einen hohen Verkündigungscharakter und vermag Menschen unmittelbar anzusprechen, die sonst der Kirche vielleicht fernbleiben." Der Kathedralorganist freut sich auf spannende Konzerte, auf die Inspiration die die Orgel bei den Organisten weckt, die auf ihr spielen, und die sich unmittelbar auf die Zuhörer überträgt. Vielleicht kommt man so auch ein wenig - wenn auch nur unten in der Kirchenbank - in den Genuss des Traumes eines jeden Kirchenmusikers.

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