Von Liane Bornholdt

Magdeburg. 1845 ließ der belgische Instrumentenbauer Antoine-Joseph Sax, der sich später Adolphe Sax nannte, ein neues Instrument patentieren und zog damit nach Paris. Zuvor hatte er bereits an verschiedenen Blasinstrumenten, besonders an der Klarinette, entscheidende Verbesserungen konstruiert. Das neue Saxofon stieß auf ein geteiltes Echo, das von Begeisterung bis zu schroffer Ablehnung reichte. Unter den französischen Komponisten erfuhr es zum Beispiel von Bizet, Massenet, Berlioz eine Förderung, seinen Durchbruch aber erlebte das neue Instrument vor allem in der Militärmusik, und von dort aus überquerte es den Atlantik, um in den USA zu dem Blasinstrument des Jazz zu werden.

Die Philharmonische Gesellschaft der Landeshauptstadt hat in ihrer Konzertreihe am Sonntagnachmittag im Magdeburger Gesellschaftshaus französische Kompositionen für das junge Instrument vorgestellt. Götz Baerthold war mit Alt- und Sopransaxofon zu erleben, begleitet von Hagen Schwarzrock am Klavier.

Es erklangen Kompositionen, die relativ früh, gleich nach der Erfindung für die Neuheit entstanden und eine Reihe von Werken, die im 20. Jahrhundert, als das Saxofon schon längst als Jazzinstrument berühmt war, das Instrument für die moderne Klassik fruchtbar machten, alles aber Werke, die sehr selten zu erleben sind.

Komponisten wie Eugene Bozza, Robert Planel, Pierre Max Dubois und auch Darius Milhaud haben Saxofon-Klavier-Kammermusik geschrieben, Suiten, Fantasien, Chansons. Dabei entfaltete sich eine sehr farbige Musik, die Götz Baerthold mit zauberhaftem Ton und feinem Registerspiel förmlich erblühen ließ. Er ließ seine Saxofone flötenklar singen, ließ sie lachen und schluchzen, spielte kleine Echos und wunderbares Piano, freche Signale und schwermütige Seufzer. Hagen Schwarzrock erwies sich einmal mehr als feinfühlig-genialer Begleiter, der in Tongebung und Phrasierung genau auf die Saxofonstimmungen einging, so dass jedes einzelne der kleinen Stücke zu einer ganzen lebendigen Vorstellung wurde. Zwei Klavierwerke spielte Schwarzrock als Solist, die c-Moll-Polonaise op. 40 von Chopin und Maurice Ravels "Pavane pour une Infante Défunte pour Piano". Stilistisch gut empfunden und sehr temperamentvoll gespielt, überzeugte namentlich die Chopin-Polonaise nicht so sehr wie sein gemeinsames Spiel. Man hätte sich wärmere Klänge und mehr Leuchtkraft in den tiefen Registern gewünscht und einen größeren dynamischen Atem. Schön und überzeugend aber das Ravel-Stück.

Von den ganz frühen Saxofonstücken erklang eine Fantasie von Jules Demersseman, die, so Baerthold, vielleicht die allererste Originalkomposition für dieses Instrument ist, ein tief romantisch empfundenes Stück, das bereits die besonderen Klangregister des Saxofons zur Wirkung bringt. Auch Maurice Ravel hat sich in einer zauberhaften Habanera des Instrumentes angenommen, und der Belgier Jean-Baptiste Singelée komponierte eine feurige Fantasie auch bereits Mitte des 19. Jahrhunderts.

Insgesamt haben beide Künstler nicht nur ein außerordentlich interessantes, sondern vor allem sehr, sehr schönes Konzert gestaltet.