Von Paul Barz

Hamburg (dpa). Es gibt inzwischen viele Urgesteine im Fernsehen. Eines von ihnen ist Dirk Matthies. Seit mittlerweile 20 Jahren zieht der Kiezpolizist im Hamburger "Großstadtrevier" der ARD seine Kreise und löst die Fälle auf seine Art und Weise. Menschlich und mit Humor.

Für den ARD-Vorabend ist es ein historisches Ereignis: Morgen feiert "Großstadtrevier"-Serienpolizist Dirk Matthies sein 20. Dienstjubiläum. Denn am 3. Mai 1991 stürmte er im fünften Jahr von Regisseur Jürgen Rolands Langlaufserie die Hamburger Kiez-Wache im Hawaii-Hemd und verkündete kess: "Ich bin der Neue."

"20 Jahre, mein Gott. Das muss man erstmal da drinnen verarbeiten", seufzt der 56-jährige Darsteller Jan Fedder, stützt gedankenschwer den Kopf in die Hand und schweift zurück in jene Zeit, als ihn die Macher vom "Großstadtrevier" fragten, ob er denn vielleicht die Nachfolge von Arthur Brauss antreten würde: "Die haben sich mein ganzes Leben erzählen lassen."

Kindheit auf dem Kiez, aus einer Seefahrer-Familie, der Vater Kneipier: Das alles floss unauffällig in die Matthies-Biografie ein. Nicht dass die Mutter Tänzerin war. Da durfte Fedder als Dirk nur mal vor dem Schaukasten des Hansa-Theaters stehen und auf ein Foto tippen: "Sieh mal! Die hat hier auch mal getanzt", und das war dann seine Mutter.

Der Dirk, zu dessen Reiz es gehört, dass man ihn sich ebenso gut auf der anderen Seite, bei den Ganoven denken kann, hat in den vergangenen 20 Jahren sein eigenes Schicksal bekommen, war auch mal heftig lädiert, stieg vorübergehend zum Revierleiter auf, was weder ihm noch der Quote gut bekam, blieb eisern trotz mancher Techtelmechtel hier wie dort unbeweibt. Die einzige Partnerin, bei der die berufliche Beziehung zu einer Ehe auszuarten drohte, war gleich seine erste Ko-Streifenfahrerin Ellen Wegner alias Mareike Carrière. Aber bevor es ganz schlimm kam, wurde sie umgebracht, und sieben Millionen, ein Rekord, schauten zu.

Seitdem ist Dirk solo, "und das", meint der mit seiner Marion seit zehn Jahren solide verheiratete Jan Fedder, "ist meinen Jahren auch angemessen. Verlieben sollen sich mal die jungen Leute, bei denen es noch richtig knistert." Er ist ein Volksschauspieler, "wollte ich ja immer werden." Er ist ein Stück Hamburg, fast wie der Michel oder das Bismarckdenkmal. Und er ist als Polizist Dirk Matthies ein "Udel", den reifere Jahrgänge noch aus ihrer Kindheit kennen, wie er damals wachsam durch die Straßen schlenderte, etwas raubauzig, doch immer herzlich und hilfsbereit, und damit wohl ein letzter dieser Art. Und im Hamburg von heute kann es schon vorkommen, dass ein festgenommener Angetrunkener die Beamten anschnauzt: "Der Dirk hätte aber mehr Verständnis gehabt als ihr."

Jan Fedder lächelt dazu. Auch zum oft getroffenen Vergleich mit dem Volksschauspieler Hans Albers. Den mag er mehr als Sänger, weniger als Schauspieler. An dem schätzt er vor allem die Kunst, noch so banale Kino-Sätze so spontan hinzuschnoddern, als seien sie ihm in eben diesem Augenblick eingefallen. Eben diese Kunst beherrscht er gleichfalls. Und eben die hält auch noch nach 20 Jahren seinen Dirk jung und jugendfrisch.