Bei Erlen färbt sich das Holz rot, wenn sie gefällt werden. Man sagt, sie würden "bluten". Für Martin Meißner sind die Erle und ihr "Blut" Ausgangspunkt für seinen neuen Roman. "Blutholz" titelte er seinen Altmark-Krimi, den die Volksstimme ab Dienstag als Fortsetzungsroman als Vorabdruck veröffentlichen wird. Das Buch erscheint im August im Block-Verlag.

Von Grit Warnat

Lockstedt. Feld und Wiese breiten sich hinter dem Haus von Martin Meißner in Lockstedt bei Klötze aus. Dahinter stehen Erlen und bilden einen kleinen Wald. Martin Meißner geht gern dort spazieren, auch wenn Erlen, wie er sagt, nichts Optimistisches an sich haben, sie wirken eher düster, unheimlich auf ihn.

Auch in Beverhol, dem fiktiven altmärkischen Ort seiner Erzählung, gibt es Erlen. Meißner nennt sie "die Olivenbäume von Beverhol". Die finde man in der Gegend überall. "Was in Spanien die Olive ist, ist in Beverhol der Erlenbaum."

Ausgerechnet in diesem kleinen, sehr beschaulichen Beverhol wird der Lehrer Bernhard Abagat tot auf dem Parkplatz der Schule aufgefunden. Oberkommissar Hans Hanik nimmt die Ermittlungen auf und sieht sich nicht gerade wenigen Verdächtigen gegenüber. Kommen sie aus der Schule? Oder aus dem Bereich der Schulverweigerer, mit denen Abagat zusammengearbeitet hat? Ist es vielleicht der stadtbekannte Kleinkriminelle Kevin? Und was hat das Ganze mit Abagats Großvater zu tun, der bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen war?

Leute mit Ecken und Kanten

"Ich wollte Leute mit Ecken und Kanten", sagt Meißner. Auch sein Abagat, der in der Rückschau immer wieder Protagonist wird, sei die "Person gewordene Knorrigkeit, Unnahbarkeit, Verbissenheit".

Schriftsteller Martin Meißner wagt sich mit "Blutholz" in ein neues Genre. Bisher kennen die Leser von Martin Meißner dessen Kinderbücher ("Manuel und der Waschbär", "Quasselzwerg Luise") und seine Kurzgeschichten. Volksstimme-Lesern ist Meißner mit seinen amüsanten, oft mit hintergründiger Ironie gespickten Kolumnen bekannt.

Krimis sind bei Meißners heimisch

"Blutholz" ist sein erster Krimi. "Håkon Nesser und Henning Mankell sind hier zu Hause und machen einen guten Eindruck auf meine Frau", meint Meißner. Und wenn nicht Nesser oder einer der anderen nordischen Krimi-Bestsellerautoren gelesen wird, läuft im Fernsehen ein Kriminalfilm - zumindest, wenn Meißners Frau das Programm bestimmt. Aber auch er, so sagt er, habe sich fesseln lassen, weil man in dem Genre Krimi "glaubhaft und spannend gesellschaftliche Vorgänge und persönliche Beziehungen unterbringen kann". Auch die Bestsellerlisten zeigen: Krimi ist eine gern gelesene, zunehmend beliebte Form der Literatur.

An der Nordsee, in der Eifel, am Bodensee häufen sich - zumindest literarisch - die Toten. Meißner setzt nach mit seinem Altmark-Krimi. Nicht zufällig wird das Buch vom Block-Verlag Kremkau in der Altmark, herausgegeben, dem Meißner eine gute Zusammenarbeit nachsagt. Es sei zuerst immer um Inhalt und Gestaltung gegangen und nicht um Finanzierung und Geschäft.

Regional geprägt und frei erfunden

Martin Meißner wollte eine regional geprägte Ortschaft, eine regional geprägte Handlung. Weil die Altmark sein Zuhause ist. Hier in Lockstedt wurde Meißner 1943 geboren, hier wohnt er heute immer noch und fühlt sich wohl. Und natürlich wusste er: Wenn man sich auf Regionalliteratur einlässt, würde gezielt geforscht werden nach Parallelen. Natürlich habe ihn sein Leben, auch seine jahrelange Arbeit als Lehrer inspiriert, sagt Meißner. Aber, so steht es am Anfang deutlich geschrieben und so unterstreicht er im Gespräch: "Die Erzählung ist frei erfunden."

Bei Håkon Nesser, so sagte Meißner, würde keiner hinterfragen.

"Ich hätte aber nicht über einen Finanzmanager in Shanghai schreiben können", sagt er. "Das würde mir auch keiner abnehmen. Meine Geschichten leben von diesem Fühlen mit einer Region, mit den Menschen."

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