Magdeburg (dpa/sa). Freie Theater besetzen oft Nischen, die die großen Bühnen nicht ausfüllen. Das Publikum liebt ihre oft unkonventionelle Art. Allerdings bangen freie Künstler um ihre Zukunft. "Eigentlich kann man gar nicht davon leben", sagte Katrin Brademann vom Landeszentrum Spiel und Theater. Das Zen-trum in Magdeburg fördert Amateur-, Schüler- und freie Theater.

Bei steigenden Kosten werde um die gleichbleibenden oder kaum voller werdenden Fördertöpfe gekämpft. "Bei den freien Theatern wird überhaupt nur rund jede vierte Produktion unterstützt."

Um den selben Haushalt wie andere Bühnen zu erreichen, müssten sie enorme Kartenpreise nehmen, das könne das Publikum nicht nachvollziehen. "Viel höher als 17 bis 20 Euro können sie nicht gehen", sagte Brademann. Die Zahl professioneller freier Theatergruppen schätzt sie auf 20. "Das sind diejenigen, die regelmäßig hauptberuflich davon leben." Unter den 20 seien viele Ein- und Zwei-Personen-Theater. Die freien Theater haben ihr Publikum, sagte Brademann. "In Sachsen-Anhalt erreichen sie um die 100 000 Zuschauer mit ihren Stücken. Das zeigt: Der Bedarf ist da." Allerdings drängten in die Nischen wie das Sommertheater in den klassischen Spielzeitpausen immer mehr auch die stark subventionierten Häuser.

Die freien Theater mit Schwerpunkt in Halle, Magdeburg und Dessau-Roßlau seien stark im Bereich Kinder- und Puppentheater, aber auch im Sprechtheater. "Einige Gruppen sind erfolgreich mit Dinner-Theater", sagte Brademann. Durch das Spiel zum Essen könnten sie sich einen Namen machen und das Publikum später zu experimentelleren Stücken locken.

Bei den Künstlern der freien Theater handelt es sich nicht um solche, die keine Anstellung an den großen Häusern gefunden haben, betonte Brademann. Vielmehr sei es bei den allermeisten eine bewusste Entscheidung, unabhängig zu arbeiten und näher dran am Publikum zu sein. Im Gegenzug nähmen viele eine schwierige finanzielle Situation in Kauf. "In einer Umfrage haben wir festgestellt, dass das durchschnittliche Einkommen der Künstler bei 10 000 Euro im Jahr liegt. Die Tendenz in Sachsen-Anhalt liegt eher noch darunter." Viele freie Schauspieler müssten Geld hinzuverdienen, indem sie Bildungsangebote an Schulen machten, aber auch durch fachfremde Tätigkeiten bis hin zum Taxifahren.

Um die freie Theaterszene zu fördern, plant das Landeszen-trum laut Brademann für das kommende Jahr in Halle ein Theaterfestival. Schon vorher solle eine intensive Debatte darüber geführt werden, welche Inhalte gebraucht werden und wie die Förderung verbessert werden kann.