Cannes (dpa). Woody Allen übte sich im Zeitreisen, Antonio Banderas als gestiefelter Kater und Lady Gaga machte Werbung für ihre neue Single: Das 64. Filmfestival in Cannes ist mit viel Pomp eröffnet worden.

Zeitreisen? Nichts für Woody Allen. Der amerikanische Regisseur von Werken wie "Manhattan" mag noch so sehr an seinem Leben verzweifeln - trotzdem möchte er es nicht gegen ein anderes tauschen. "Jeder will dem Leben entkommen, das er gerade lebt. Immerhin ist es ziemlich hart und macht nicht viel Spaß", sagte der 75-Jährige beim Filmfestival in Cannes. Aber ein Leben wie zum Beispiel vor 100 Jahren sei auch nicht viel besser. Immerhin habe es da keine Klimaanlagen und beim Zahnarzt kein Betäubungsmittel gegeben. Trotzdem schickt er Owen Wilson in seiner aktuellen Komödie "Midnight in Paris" auf eben so eine Zeitreise und eröffnete damit am Mittwoch die 64. Internationalen Filmfestspiele.

Zur feierlichen Gala am Abend kamen zahlreiche Stars im Smoking oder eleganten Abendkleidern - das Kreischen hunderter Fans und das Blitzlichtgewitter der Fotografen wollte gar nicht aufhören. Hauptgast des Tages war aber der US-Regisseur Woody Allen.

"Es ist eine Falle zu glauben, dass das Leben in einer anderen Zeit und Welt besser wäre", sagte Allen vor der Premiere. Denn wenn man an frühere Zeiten denke, denke man nicht an die Nachteile, sondern nur an die schönen Dinge. Auch seinem Protagonisten Gil (Owen Wilson) ergeht es so in "Midnight in Paris": Zusammen mit seiner Verlobten Inez (Rachel McAdams) macht er Urlaub in Paris. Als er eines Nachts alleine durch die Stadt schlendert, entdeckt er nach Mitternacht eine Art Zeitfenster. Durch das kann er in die 20er Jahre reisen, trifft F. Scott Fitzgerald, Gertrude Stein (Kathy Bates), Salvador Dalí (Adrien Brody) und Ernest Hemingway.

Allen nutzt diese Ausgangsbasis für eine beschwingte romantische Komödie. Denn schon bald findet sich Owen Wilson zwischen zwei Frauen wieder: Rachel McAdams gibt die verführerische Verlobte, Marion Cotillard die geheimnisvolle Femme fatale in der Parallelwelt. Auch der Regisseur scheint sich nach New York, Barcelona und London - wohin ihn seine bisherigen Werke führten - nun in Paris verliebt zu haben. Seine Aufnahmen der verträumten Gassen und Cafés erinnern teilweise sogar an einen Werbefilm für die französische Hauptstadt.

Die Geschichte verliert in der zweiten Hälfte etwas an Fahrt und Witz, und doch ist "Midnight in Paris" ein gelungener Auftakt für die 64. Ausgabe des Internationalen Filmfestivals: intelligent, leicht, unterhaltsam und prominent besetzt.

De Niro will in Ruhe viele Filme gucken

Den Trubel um das Filmfestival nutzten andere Stars ganz bewusst: Antonio Banderas und Salma Hayek warben für ihren neuen Film "Der gestiefelte Kater". Auch Lady Gaga schaute für einen Kurzbesuch vorbei und wollte am Abend bei einem Mini-Konzert am Mittelmeer ihre neue Single "Judas" vorstellen.

Die Jury mit Filmschaffenden wie Uma Thurman und Jude Law wird das alles wenig interessieren. Die Mitglieder können dagegen auf 20 höchst unterschiedliche Werke im Wettbewerb gespannt sein. Und das ist auch genau das, worauf sich Jury-Präsident Robert De Niro freut: in Ruhe viele Filme gucken. Denn dazu habe er sonst wenig Zeit, erzählte der 67-jährige Schauspieler, Regisseur und Produzent. Feste Kriterien müssten die Werke dabei nicht erfüllen, um am 22. Mai gute Chancen auf die begehrte Goldene Palme zu haben, sagt De Niro. "Ich habe keine feste Meinung." Auch feste Vorgaben, worauf er in Filmen achte, gebe es nicht. "Ich weiß nicht genau, was ich suche, aber ich werde es wissen, wenn ich es sehe."

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