An der Expedition der Künstlergruppe Mangan25, die schon 2004 mit dem Trip zum Nanga Parbat Aufsehen erregte, nahm 2009 erstmalig der Fotograf und Industrie-Designer Gordon Adler teil. Im Landesfunkhaus des MDR stellt er jetzt neben kleinerformatigen Fotografien vier monumentale Panoramen aus, die für die Kunstlandschaft in Sachsen-Anhalt eine kleine Sensation darstellen dürften.

Von Jörg-Heiko Bruns

Magdeburg. In der rauen und unwirtlichen Landschaft von Spitzbergen, noch über dem Polarkreis gelegen, hat ein junger Fotograf bei minus 25 Grad mit großer Geduld und Ausdauer von einem Motiv bis zu 27 Aufnahmen gemacht, die er dann im Atelier am Computer zu einem Panorama zusammenfügte.

Acht Meter lang und zwei Meter hoch sind die nun im MDR-Funkhaus ausgestellten Resultate, die, genau berechnet, die Hauptwände des Ausstellungsraumes füllen.

Der Fotograf ist Gordon Adler, studierter und praktizierender Industrie-Designer, der sich immer wieder auch der Fotografie zuwendet. So gibt es von ihm beeindruckende Porträt-Reihen und figurale Fotografien, die eher zur Modefotografie zu zählen sind.

Spitzbergen war für ihn eine besondere Herausforderung. Seine Künstlerkollegen, unter ihnen ein Komponist, ein Maler und Bildhauer, eine Kamerafrau, eine Ärztin und Schauspielerin, suchten ihre Motive, die unter anderem in einem Hörspiel verarbeitet werden. Gordon Adler suchte seine Bilder nicht ohne Angst, dass ihn Eisbären von seiner Arbeit abhalten könnten, denn die gibt es mehr als Eismenschen verschiedenster Nationalitäten auf den nordischen Inseln.

Hier den gesuchten Dialog zwischen Natur und Wissenschaft erlebbar zu machen, dürfte von vornherein nicht ganz einfach sein. Gordon Adler hat seinen Part bravourös geleistet und ihn nun in vier Panorama-Bildern von insgesamt 56 Quadratmetern der Öffentlichkeit vorgestellt.

Der Betrachter spürt in ihnen die unendlichen Weiten der Gletscherlandschaft, die Stille unter azurblauem Himmel und den romantischen Hauch der Abendsonne, die hier aber nicht wirklich untergeht.

Diese Bilder haben nichts von der abweisenden Kälte und bedrohlichen Stimmung des bizarren Bildes "Eismeer" von 1824, das der Romantiker Caspar David Friedrich einst malte.

Nur ein leichtes Frösteln mögen die Fotografien dem Betrachter entlocken. Die Tiefenschärfe der monumentalen Bilder fasziniert, glasklare Sichten sind sowohl aus der Ferne als auch aus der Nähe möglich.

Hier haben das Handwerkszeug Kamera und Computer, gepaart mit den künstlerischen Intentionen und dem richtigen Blick (oder besser einer Vision für das Ganze) zu überzeugenden Ergebnissen geführt. Das ist visuelle Macht der Fotografie, Romantik im 21. Jahrhundert.

Übrigens: Da die vier jeweils 16 Quadratmeter großen Fotos sich nicht so leicht im heimischen Schubfach unterbringen lassen, können sie von Besitzern großer Wände wie Banken, Hotels erworben werden. Ein Museum wäre natürlich auch nicht schlecht. Die Ausstellung ist bis zum 6. März geöffnet und sollte am besten bei gutem Tageslicht besucht werden.

Das Funkhaus ist für Besucher montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet.