Er war Hamlet, Kommissar Wallander, Frankenstein und ein Lehrer von Harry Potter: Kenneth Branagh hatte noch nie Angst vor Veränderungen. Jetzt hat er sich an ein besonders riskantes Vorhaben gemacht und bei dem hochkarätig besetzten 3D-Action-Spektakel "Thor" Regie geführt.

Von Britta Schultejans

München (dpa). Ob Hulk, Spiderman, Iron Man, Wolverine oder die X-Men – die Charaktere aus den berühmten Marvel Comics haben es schon in so manchen Film geschafft. Jetzt kommt ein weiterer Superheld zu Kino-Ehren: Donnergott Thor mit seinem Hammer. Am morgigen Donnerstag startet das hochkarätig besetzte 3D-Actionspektakel "Thor" in Deutschland, in den USA kommt der Film erst eine Woche später auf die Leinwand.

Die Oscar-Preisträger Anthony Hopkins und Natalie Portman spielen in dem Werk mit, interessant ist aber vor allem ein Mann hinter den Kulissen: Kenneth Branagh, wortgewandter Schauspieler, weltberühmter Regisseur und Shakespeare-Interpret aus Großbritannien. Er war der jüngste und erfolgreichste Hamlet in der Geschichte der renommierten Royal Shakespeare Company, stand als Romeo auf der Bühne und führte bei der oscarprämierten Filmversion von "Henry V." nicht nur Regie, sondern spielte auch die Titelrolle. Jetzt überrascht Branagh die Filmwelt als Regisseur eines Hollywood-Action-Krachers, wie er im Buche steht.

"Thor" erzählt die auf nordischen Mythen basierende Geschichte des Gottes, der auf die Erde fiel. Der junge, überhebliche und hitzköpfige Donnergott (Chris Hemsworth) wird von seinem Vater Odin (Anthony Hopkins) als Erziehungsmaßnahme aus dem sagenumwobenen Königreich Asgard ausgerechnet nach New Mexico verbannt, nachdem er tollkühn – und vor allem ohne Absprache – einen Krieg mit den Feinden von Asgard angezettelt hat. Nach einem Schwächeanfall seines Vaters übernimmt Thors Bruder Loki (sehr gut: Tom Hiddleston) die Macht in Asgard – mit ungeahnten Folgen.

Ohne Superkräfte, aber immer noch deutlich stärker als der Durchschnittsmensch, kämpft Thor derweil auf der Erde mit den Tücken des Alltags und verliebt sich in die junge Wissenschaftlerin Jane (Natalie Portman), die ihn eigentlich als Naturphänomen erforschen will, den jungen Gott dann aber auch schnell ziemlich anziehend findet.

Das kann kaum überraschen, spielt der bislang weitgehend unbekannte Australier Hemsworth den gewaltigen Thor doch mit dem rauen Sex-Appeal eines jungen Brad Pitt in "Legenden der Leidenschaft". Auch wenn er im Grunde nicht sonderlich viel schauspielern muss – er und seine Oberarme sehen dabei beeindruckend aus.

Sechs Monate hat der 27-Jährige, der für die Rolle seinen jüngeren Bruder und Miley-Cyrus-Liebschaft Liam ausstach, dafür trainiert und gegessen. "Das erste, was mir an Thor auffiel, war, wie massiv er ist", sagt Chris Hemsworth im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. "Ich wusste, dass ich es niemals so weit schaffen würde, aber ich musste es wenigstens versuchen."

Was für Hemsworth gilt, gilt ähnlich auch für Natalie Portman. Die Rolle der ebenso kämpferischen wie warmherzigen Forscherin, die ihrem Helden schließlich in die Arme sinkt, verlangt der preisgekrönten Schauspielerin, die so viel kann, nicht viel ab. Aber auch sie sieht gut aus dabei.

Doch nicht nur dank der attraktiven Darsteller ist "Thor" vor allem ein optisches Erlebnis. Wie die Sagenwelt von Asgard mit Spezialeffekten zum Leben erweckt wird – das ist eindrucksvoll und immer wieder überraschend. Das ist nicht Shakespeare, aber gute Unterhaltung.

Für Regisseur Branagh ist der Unterschied allerdings gar nicht so groß. "Eine königliche Familie in Schwierigkeiten – das kennen wir doch", sagt er. Auch in "Henry V." sei das Thema, die Problematik der Thronfolge gebe es auch in "Hamlet". "Außerdem bedienen sich sowohl Shakespeare als auch Stan Lee in den Marvel Comics alter Mythen anderer Völker."

Außerdem – das hat er vor der Kamera auch als Frankenstein, Henning Mankells Kommissar Wallander oder Harry Potters Lehrer Gilderoy Lockhart bewiesen – war es noch nie Branaghs Art, sich nur auf bekanntem Terrain zu bewegen. "Ein Teil dieser ewigen Suche nach dem Neuen ist der Wunsch, es mir nicht zu bequem zu machen und nicht zu überheblich zu werden", sagt er. Außerdem habe schon seine Mutter gewusst: "Ich kann nicht stillsitzen."