Kürzlich hatten Halberstädter Kunstenthusiasten eine Ausstellung mit Arbeiten des Blankenburger Malers Jens Elgner und der ortsansässigen Keramikerin Anna Elisabeth Weihe organisiert. Eine anspruchsvolle Kombination, die weit über den Alltag hinausgeht und die Rolle Halberstadts als Stadt der Künste wieder unterstrich. Die Volksstimme besuchte die Keramikerin.

Halberstadt. Seit der viel zu früh verstorbene Metall-Plastiker Johann Peter Hinz in den 1970er Jahren auf dem Gelände der ehemaligen Pfeffermühle in Halberstadt die gleichnamige Künstlergruppe mitbegründete und ansässig machte, hat sich die Stadt auch wieder den Gegenwartskünsten zugewendet. Vor allem Ausstellungen und Gespräche förderten das Klima und natürlich waren auch hier die Bemühungen für die Kunst wie anderenorts von allen Höhen und Tiefen begleitet, am besten aktuell an der Entwicklung des Kunsthofes in der Vogtei ablesbar. So wie Johann Peter Hinz es vorgelebt hat, gibt man nicht auf in Halberstadt und so finden sich immer wieder schöne, der Kunst dienende Ereignisse.

Anna Elisabeth Weihe gehört seit genau 30 Jahren zum "Stammpersonal" der Halberstädter Künstlerschaft und arbeitet hier seither als Keramikerin, inzwischen in eigens erbauter Werkstatt auf einem alten Industriegelände in der Mahndorfer Straße in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bildhauer Daniel Priese und seiner Familie. Dass Weihe in Halberstadt geboren wurde und in Brehna und Bitterfeld aufwuchs, erfährt der Besucher so nebenbei, wenn sie aus der Familiengeschichte plaudert, was nicht oft vorkommen soll.

"Früher hatte ich das Gefühl, nicht dazuzugehören"

Dass Peter Hinz ihr Onkel und Daniel Priese ihr Cousin ist, erstaunt, denn nie hat sie die Blutsbande benutzt, hatte sie im Grunde auch nicht nötig. Sie ist immer ihren ganz eigenen Weg gegangen.

Von 1976 an machte sie zwei Jahre lang Praktika im damals berühmten Töpferhof Römhild und in der Pfeffermühle Halberstadt. Als sie sich sehr früh Peter Hinz anvertraute und sagte: "Eigentlich möchte ich ja Keramikerin werden, aber das ist doch ein Modeberuf", entgegnete Hinz lapidar: "Na und!" und machte ihr so endgültig Mut für diese Berufswahl.

Ab 1978 studierte sie an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle, Burg Giebichenstein bei Gertraud Möhwald, Lothar Sell und Martin Wetzel Plastik und Keramik und schloss ihr Studium mit dem Diplom ab. Seither war sie in der Halberstädter Pfeffermühle als Keramikerin tätig, bis nach dem Jahr 2000 die Umsiedlung in das neue Atelier notwendig wurde. Anna Weihe hat sich mit vielen Ausstellungen im In- und Ausland einen Namen gemacht, ist bei Kollegen ebenso geachtet wie bei ihrem Publikum.

"Früher hatte ich", erzählt sie, "im Gegensatz zu heute, immer das Gefühl, dass ich nicht dazugehöre, dass ich irgendwie draußen war, auch weil ich damals nicht in der FDJ war. Aber jetzt treffe ich mich ab und an mit meinen damaligen Klassenkameraden und anderen Interessierten. Dann brennen wir gemeinsam Keramik nach einem mexikanischen Verfahren, für das der Brennofen aus etwa 50 Papierschichten erbaut wird." Man spürt ihre Begeisterung beim Erzählen. Auch wenn sie von den Kindern berichtet, mit denen sie zuweilen in den Ferien arbeitet. "Da gibt es manchmal ganz tolle Ergebnisse, da kann ich auch noch was lernen", sagt sie.

"Harmonie als wohltuend empfinden und weitergeben"

In der alten Ziegelei in Hundisburg bei Magdeburg hat sie inzwischen mehrmals an den Symposien mit bekannten Keramikern teilgenommen. "Der Austausch unter Kollegen macht mir einfach Spaß." Eines der noch in ihrem Besitz befindlichen Hundisburger Ergebnisse, eine in sich kauernde Figur, sitzt bei Wind und Wetter vor dem Atelier auf einem Schotterhaufen.

Andere Ergebnisse ihrer freudvollen Arbeit stehen in Regalen und auf Podesten im Atelier, jedes Stück ist ein Unikat. Viele Töpfe, Kannen, Tassen, Teller, Kerzenständer oder Sushi-Schalen stehen da, aber nicht lange, denn Verehrer und Kenner erwerben gern und manche regelmäßig ihre Produkte. Seit längerem hat sie die Linie für sich entdeckt und ritzt vor dem Brand wunderschöne, fantasievolle Zeichnungen in die Rohlinge, die nach dem Brand dann bräunlich aus der hellen Glasur bildhaft hervortreten. Wenn sie den terrakottafarbenen Scherben in Kontrast zu dunklen, fast schwarzen Glasuren stellt, arbeitet sie eher mit der Fläche, die aber ebenso schöne Formulierungen hervorbringen wie die linearen Zeichnungen. So ist sie frei von allen Moden, die sich natürlich auch auf Keramikmärkten tummeln.

"Das, was ich selbst zu alldem sagen kann, ist kurz und auch nicht neu, trifft aber nach wie vor den Kern: Es ist mir ein Anliegen, ein Stück der Harmonie, die für mich das Arbeiten mit Ton ausmacht, die, wenn es gelingt, dem geschaffenen Gegenstand dann auch innewohnt, nicht nur selbst als wohltuend zu empfinden, sondern auch weiterzugeben … zum Freuen, … zum Liebhaben".

Nicht nur die Arbeiten der Anna Elisabeth Weihe strahlen in der Tat diese Harmonie aus, sondern sie als Künstlerin ebenfalls, weil sie glücklich über ihr Leben und künstlerisches Schaffen in sich ruht.

 

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