"Die Kugelblitze" sind Lars Johansen als Autor und Spieler, Sabine Münz und Ernst-Ulrich Kreschel, der für die Musik zuständig ist. Ihr neuestes Programm "Ausgebootet" hatte am Mittwoch im Kabarett "Magdeburger Zwickmühle" Premiere. Regie führte Elke Schneider.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Lars Johansen ist missgelaunt, spielt er. Er will nicht spielen, vor allem, weil er nur den Leichtmatrosen geben soll, während Sabine Münz der Kapitän bzw. die Kapitänin ist. Eine Frau als Chef, motzt er, völlig unrealistisch – in der freien Wirtschaft!

Aber Sabine Münz hat sich zum Chefinnenjob durch die Teilnahme an diversen Kreuzfahrten bestens qualifiziert, was ihr aber nicht viel nützt, denn eigentlich sitzen bereits alle in einem Boot, genau genommen in einem Rettungsboot, da das feine Kreuzfahrtschiff auf einer Sandbank festsitzt. Und da muss eben gerettet werden, vor allem natürlich die Sandbank, denn Banken werden immer zuerst gerettet. Ansonsten heißt es im Titelsong "An diesem Zusammenstoß sind andre Schuld, wir sind schuldlos, da tun wir nichts und warten bloß". Das trifft aber für die Kabarettisten nicht zu. Die tun trotz diverser Launenhaftigkeit allerhand.

Johansen ist auch missgelaunt als Schiffsarzt, der nicht verschwinden kann, als eine Kassenpatientin auftaucht. Allerdings bessert sich die Stimmung, als er auf den Vampirismus verfällt. Vampir sein ist die Heilmethode für fast alles (Mediale) heutzutage, zumal eine ganze Schiffsladung voller frischen Blutes zur Verfügung steht. Lars Johansen ist gewiss auch gut gelaunt gewesen, als er die Themen und Texte für das neue Kugelblitz-Programm erfand, denn ihm ist viel eingefallen.

Im Rettungsboot finden nicht nur die Passagiere, zumindest die der ersten Klasse, Platz, sondern auch ländliche Themen. Aber auch bei denen geht es um Rettungen. Da treffen sich zum Beispiel zwei Schweine, die schlanke Öko-Sau und der dicke Fabrik-Mast-Eber, der Dioxin gefressen hat, und deshalb müssen nun alle Schweine notgeschlachtet werden. Sie beklagen einen sinnlosen Tod, aber er kann in letzter Minute noch abgewendet werden, als Kreschel die Nachricht bringt, sie würden doch noch zur Wurst, die wieder Tierfutter werden soll.

Diese Nummer ist die beste des Programms. Man muss sie schon erleben, wie etwa auch die, in der zwei Passagiere die K-Frage erörtern. Jeder hat so seine ganz speziellen K-Wörter, Klasse etwa oder Kommunismus bei den Linken, Konservativ bei der Union, Koma-Saufen bei Jugendlichen – bei Erwachsenen heißt es ja Oktoberfest – oder die K-Wörter von zu Guttenberg wie Kopie oder doch Kundus und Krieg?

Allerdings ist das Boot an manchen Stellen etwas schwer beladen, und man findet nicht immer die Richtung, in die das Floß treibt. Da wären. die beiden Alten als Demotouristen, die zwar hervorragend gespielt werden, aber deren Spaß am Dagegen und am Dafür, dagegen zu sein, ist bloß ein Gag, und dafür ist er ziemlich lang geraten.

Sabine Münz, gelernte Sängerin, versucht gemeinsam mit Ernst-Ulrich Kreschel dem Programm musikalische Lichter aufzusetzen. Letzterer hat sich Interessantes ausgedacht, aber es funktioniert nur gelegentlich. Die Songs sind zwar witzig, der Gesang ist es leider nicht so sehr, auch als Sabine Münz ihr Solo singt als Hochbegabte, die nur mit Silikon und sexy Outfit erfolgreich ist und die ganz Doofe spielen muss – ein Image, von der sie die Medienwelt nicht mehr freigeben will. Wer braucht schon Philosophen! Leider zwar lebensecht, aber doch nicht überzeugend. "Ich leb davon", singt sie, "dass jeder denkt, ich bin doof. Dabei ist es umgekehrt." Ja und?

Es gibt einige Schwächen im Programm. Manches ist etwas zu dick aufgetragen, manche Pointe etwas hungrig. Die Spielfreude, vor allem von Münz und Johansen, entschädigt, die Programm-Highlights auch, aber der ganz große Wurf ist diesmal nicht gelungen. Sehenswert ist es aber dennoch. Es ist mit schöner Leichtigkeit inszeniert und die Fülle der Einfälle lässt doch mit Sicherheit fündig werden.

Nächste Vorstellungen sind heute und am Sonntag ab 20 Uhr in der Leiterstraße 2a.