"Wir tun das Beste, die Magdeburger zu radikalisieren", verspricht Dirk Cieslak. Wie weit diese Radikalisierung gehen kann, will der Regisseur von "Hamlet in Magdeburg" nicht vorhersagen. Am Freitag hat das Stück Premiere am Magdeburger Schauspielhaus. Das Besondere: Laien – Magdeburger Bürger – stehen gemeinsam mit Schauspielern auf der Bühne.

Von Claudia Klupsch

Magdeburg. Shakespeares "Hamlet" dient dem Projekt als Folie – jene vergiftete Familiengeschichte, in der eine Untat unter anderem die Frage nach politischer Macht und Machterhalt aufwirft. Der Stoff eignet sich ideal, sich mit der Welt, mit ihrem Zustand auseinanderzusetzen.

Dirk Cieslak reizt die Arbeit mit Laien. Aus 20 "Bewerbungen" wählte er acht Leute aus, die nun mit vier Schauspielern auf die Premiere zuarbeiten. "Wir bringen authentische Menschen auf die Bühne, lassen sie ihre Erfahrungen reflektieren, zeigen, wie sie sich erkennen und begreifen, wie sie auch kritische Distanz zu sich selbst entwickeln können."

Der Text basiere auf Einzel- und Gruppengesprächen mit den mitwirkenden Laien. Deren (Lebens-)Geschichten seien nicht eins zu eins übernommen, sondern in gemeinsamer Textarbeit geformt worden.

Kristina Manke, eine der Protagonistinnen, empfindet die Theaterarbeit als Erlebnis. "Wir haben über unser Leben, über unsere Wege nachgedacht. Was vorher nicht wichtig erschien, nahmen wir plötzlich bewusst als wichtig wahr." Den Ur-Shakespeare-Text habe sie verschlungen. Gemeinsam sei das Team in die aktuelle Hamlet-Inszenierung am Theater Magdeburg gegangen. Kristina Manke lobt die offene Atmosphäre. Da habe es kein Von-oben-herab der Profis und keine Befindlichkeiten gegeben. Im Gegenteil.

"Die Schauspieler sind Zuhörer und Partner für die Laien", erklärt Regisseur Cieslak.

Im Mittelpunkt stehen die Laien und ihre Geschichten. "Es geht um die Idee eines gemeinsamen Theaterlebens." Vom ursprünglichen Hamlet-Text bleibt freilich nicht viel übrig.

Die Fechtszene bildet die Klammer, ab und zu sind Shakespeare-Zitate gestreut. Zu erleben ist laut Cieslak, wie in Form des Dialogs über politische Fragen der Gegenwart nachgedacht wird. Die ganz aktuelle Frage: Was ist Angst? Wie gehen wir mit ihr um? Auch entwerfen die Menschen auf der Bühne eine Utopie von ihrer Stadt, denken darüber nach, was sie sich von Magdeburg wünschen. Reflexionen über die Welt im Allgemeinen und über die Stadt im Besonderen.

Cieslak ist gespannt, wie die Magdeburger das Projekt annehmen. Er wünscht sich "politische Emanzipation" des Publikums und lässt auch hier weitere Erläuterungen aus. Die Neugier ist geweckt.