Die Juroren des 6. Internationalen Telemann-Wettbewerbs haben entschieden. In der 1. Wettbewerbsrunde von Sonntag bis Dienstag haben sie 37 Vorspiele gehört und bewertet. Es erklangen Werke von Telemann, Händel und Marin Marais auf der Barockvioline und der Viola da Gamba, einem Bassinstrument, das, aus Frankreich kommend, in der Barockzeit zu den beliebtesten Streichinstrumenten zählte und mit seinem weichen, gefühlvollen Klang bis heute begeistert.

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Am Austragungsort, dem Schinkelsaal des Magdeburger Gesellschaftshauses, herrschte höchste Aufmerksamkeit, bei den Teilnehmern und den Juroren natürlich, aber auch bei den Zuhörern.

Neben Magdeburger Musikfreunden fanden sich unter den Zuhörern der öffentlichen Wertungsvorspiele auch die Teilnehmer, die gerade nicht an der Reihe waren. Für alle sei der Wettbewerb nicht nur deshalb wichtig, um die eigene Leistung zu messen. Sie wären, so berichteten die Juroren aus ihren Gesprächen mit allen Teilnehmern, vor allem auch deshalb nach Magdeburg gekommen, um voneinander zu lernen.

"Das Gesamtniveau ist enorm hoch", sagte Ingrid Seifert, eine Österreicherin, die jetzt am Trinity College in London unterrichtet und eine gefragte Jurorin bei zahlreichen Wettbewerben für Alte Musik weltweit ist. "Was die jungen Musiker heute können, das wäre noch vor 20 Jahren undenkbar gewesen."

Interessant aber sei, so Francois Fernandez, Barockgeiger und Kammermusiker aus Paris, dass man auch sehr unterschiedliche Spielweisen hören könne. Russische Geiger spielen ganz anders als Japaner oder Italiener, sie haben eine sehr unterschiedliche Ästhetik. Ihm haben die Vorträge am besten gefallen, in denen ein besonderes, stimmiges Musizierkonzept zu hören gewesen sei, auch dann, wenn es seinen eigenen Erwartungen nicht entsprochen habe. Er selbst lerne auch von den Wettbewerbsteilnehmern.

Aber natürlich gebe es auch qualitative Unterschiede. Für Jesper Boje Christensen, Vorsitzender der Jury, Musikwissenschaftler, Cembalist und Spezialist für historische Aufführungspraxis, Professor an der berühmten Schola Cantorum Basiliensis, ist das Eindringen in den Geist der Alten Musik durch die jungen Musiker entscheidend, das Stilempfinden für ein Werk oder den rechten rhythmischen Schwung. Viele der jungen Musiker etwa müssten noch etliches Lernen über die barocken Verzierungen. Das könnten nur die Allerbesten, beispielsweise einen Triller an der richtigen Stelle und wirklich schön zu spielen.

Winzige Details sind zu beachten

Das Niveau insgesamt sei hoch, die meisten der Musiker besäßen eine ausgezeichnete Technik. Damit jedoch die Alte Musik zu richtigem Leben erweckt würde, seien zahlreiche, teils winzige Details zu beachten.

Für Siegfried Pank, ehemaliger Thomaner, Gewandhaussolocellist und seit vielen Jahren Gambenvirtuose sowie Lehrer an der Leipziger Musikhochschule, sind die Gespräche mit den Teilnehmern mindestens genauso wichtig wie die Vorspiele. Und, wie er aus den langen Gesprächen mit all denen, die nach der ersten Runde ausscheiden mussten, weiß, geht es den Teilnehmern auch so. Auch hier ging es um Details, um genaueste "Manöverkritik", um Ermutigung und für so manche Enttäuschten auch um das Weitermachen.

Es sei ja ohnehin erstaunlich, so Pank, dass sich so viele junge Gambisten den wirklich außerordentlich hohen Anforderungen des Wettbewerbs- programms gestellt haben. Es ist sehr anspruchsvoll, diese Werke zu spielen, weiß der erfahrene Gambist, und jeder, der sich diesem Wettbewerb überhaupt stelle, verdiene Hochachtung. Schön für ihn auch, dass kaum einer der Ausgeschiedenen abreisen wolle. Für sie ist das Zuhören genauso wichtig wie das Spielen.

Das spricht für die gute Atmosphäre des Magdeburger Wettbewerbs, übrigens auch die Tatsache, darin waren sich alle Jurymitglieder einig, dass die Organisation so gut funktioniert, dass man von ihr eigentlich nichts bemerkt.

Wenn am Sonntag die Preisträger feststehen und zum festlichen Abschluss noch einmal spielen, dann werden das die Besten der Besten sein, und ihnen wird die Aufmerksamkeit der Fachwelt gewiss sein. Gewonnen aber haben alle.