Magdeburg. Eine Frau sinniert im Wandelgang des Opernhauses: "Seit 16 Jahren! Das kostet doch auch. Dass es so was noch gibt!" "Theater gibt es doch auch noch!", scherzt ihr Begleiter.

So geschehen am Sonntag anlässlich der 16. Verleihung des Förderpreises für junge Künstler durch den Förderverein des Theaters Magdeburg. Der Dialog benennt im Gleichnis Wesentliches: Der Verein ist stabil. Er findet Sponsoren. Er ist aus dem Theaterleben nicht wegzudenken. Die alljährliche Gala zur Auszeichnung der jeweiligen Preisträger markiert im Vereinsleben einen Höhepunkt, denn sie macht sinnlich erfahrbar, dass der Verein ein wirkungsvoller Moderator zwischen Kunst, Politik und Wirtschaft ist.

Die ausgelobten Künstler, die Sängerin Anita Bader (Freundespreis des Vereins), der Tänzer Jake Burden, die Sängerin Hale Soner und der Schauspieler Jonas Hien (allesamt Förderpreis) erhalten folgerichtig die Siegespalme aus den Händen von Vertretern unterschiedlicher gesellschaftlicher Sphären: Andrea Imwelle, Direktorin des Maritim-Hotels, Claus Heidecke, Geschäftführer Kies- und Baustoffwerke Barleben, Horst Eckert, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Magdeburg, und Lutz Trümper in seiner Funktion als Vorsitzender des Kuratoriums der Kulturstiftung "Kaiser Otto" überreichen die Preise.

Als Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg entbietet Trümper selbstverständlich zu Beginn des Abends ebenso wie Generalintendantin Karen Stone und Staatsminister Rainer Robra ein Grußwort. Dabei kommt es zu einem kleinen Wortgeplänkel zwischen Oberbürgermeister und Staatsminister zum Thema Kunst und Kosten. Beide würdigen den Förderverein, beide bestätigen die wichtige Rolle des Theaters im gesellschaftlichen Leben. Dissens gibt es in punkto Fördermittel. Unter dem Beifall des Publikums fordert Trümper, vergleichbare Städte sollten vergleichbar mit Geldern bedacht werden.

Dann ergreift Beatrix Franzkowiak, die Vorsitzende des Fördervereins, als Gastgeberin des Abends das Wort. Auch sie widmet sich mahnend dem Thema Finanzierung, die sie einfordert, selbst wenn auch "nicht alle Steuerzahler die Angebote annehmen."

Die Ehrung der Preisträger beginnt mit Anita Bader, die aus Glasgow zugeschaltet ist. Beim wunderbaren Unterfangen erweist sich die technische Realisierung als schwächelnde Stelle. Christian Poewes warmherzige und humorvolle Laudatio macht den winzigen Fauxpas aber mehr als wett. Dann bringen Gabriele Theren, Pia Heim und Andreas Hillger ihre Würdigungen zu den Trägern des Förderpreises vor, alle auf ihre Weise, aber alle kenntnisreich und treffsicher in ihren Formulierungen. Ein jeweils so kurzer wie kurzweiliger Film (Norman Bernien, Florian Schreiter, Hendrikje Wiards – Studenten der Fachhochschule Magdeburg-Stendal) ergänzt die Huldigungen. Jedes Mal spendet das Publikum anerkennenden Applaus, der zum Beifallssturm anschwillt, als die Theaterschaffenden sich mit einer künstlerischen Sequenz in ihrer Profession bedanken. Jake Burden tanzt mit seiner Partnerin Emma Hanley Jones einen Pas de Deux aus Tschaikowskis "Nussknacker". Hale Soner trägt eine Arie aus "Lucia di Lammermoor" von Gaetano Donizetti vor. Jonas Hien präsentiert sich in einem Monolog als Don Quichotte.

Und als Sahnehäubchen obendrauf gibt es zum Schluss einen Patchwork-Auftritt: Jonas Hien stellt die Amme aus Shakespeares "Romeo und Julia" dar, Hale Soner singt aus der gleichnamigen Oper von Charles Gounod die Julia, und Jake Burdan tanzt zwischen beiden und mit ihnen. Dafür ernten sie den Jubel der Zuschauer.

Große Zustimmung erhielt aber auch die Violoncellogruppe der Magdeburgischen Philharmonie, die einen Mambo von Wilhelm Kaiser-Lindemann und einen Tango von Enrique Francini darbot. Der Erfolg des Abends aber hat noch andere Mütter: Für die klug gewählte Abfolge zeichnete Dana Dopheide verantwortlich und für die attraktive Bühnengestaltung Christiane Hercher.

 

Bilder