Kürzlich hat es mich erwischt – die erste Autopanne meines Lebens, und ich fühlte mich genauso hilflos wie damals, als Paul, mein erster Freund, mit mir Schluss gemacht hatte. Er war einfach nicht zu unserem Lieblingstreff gekommen, und ich saß da, verlassen mit dem Milchshake für zwei.

Mein Toyota schien es Paul gleichmachen zu wollen. Ich war auf dem Weg zurück in die Redaktion. Abendlicher Berufsverkehr. Plötzlich wurde aus dem sanften Schnurren meines Wagens ein sonderbares Stottern. Meine Füße vibrierten. Angst keimte auf. Ob ich es noch bis in die Redaktion schaffen würde? Bisher hatte er mich noch nie enttäuscht, also könnte dieses merkwürdige Verhalten meines kleinen Toyotas auch nur ein unwesentlicher Auto-Husten sein. Obwohl, David hatte zum Ende unserer Liebelei auch immer Kopfschmerzen oder andere Wehwehchen.

In unseren gemeinsamen zehn Jahren war mein kleiner Toyota immer ein guter Weggefährte, treuer als manch Verflossener. Nur an diesem Abend ließ er mich im Stich. Ich verstand die Welt nicht mehr, dachte an die schönen Dinge zurück. So hatte mein schnuckeliger Japaner immer weniger Benzin verbraucht als Stefan Bier, der den Kühlschrank immer leerte, aber nie befüllte. Ich fühlte mich verraten – schließlich weiß mein Wägelchen doch, dass ich von seinen technischen Finessen keine Ahnung habe. Aber gut, Stefan hatte auch nie verstanden, warum ich die Abseitsregel beim Fußball nicht kapiere. Dafür kenne ich Toyotas Lieblings-Öl, weiß, wie Blinker und die Scheibenwischer angehen, Scheibenheizung und Radiolautstärke. Aber was soll man als Frau tun, wenn der Motor streikt?

Mein Toyota machte nichts mehr. Einfach so. Daniel hatte damals auch von einem Tag auf den anderen seine Sachen gepackt. Wenigstens herrschte dann nachts Ruhe. Kein Schnarchen mehr. Schnell drehte ich den Zündschlüssel wieder um. Nichts. Ein zweiter Wiederbelebungsversuch, wieder nichts. Daniel wollte uns auch keine zweite Chance mehr geben. Gut, ein dritter wird’s reißen. Nein. Der Motor blieb mucksmäuschen still so wie die Telefonleitung zu Daniel.

Mein Blick ging in Richtung Tankanzeige – fast voll. Hatte ich mich an der Zapfpistole vergriffen? Statt Benzin Diesel getankt? Christian hatte es mir auch einmal mächtig übel genommen, als ich die falsche Butter gekauft hatte. Es wurde immer konfuser in meinem Kopf. Ich stand mitten auf der Straße. Okay, Warnblinkanlage an. Und nun?

Hinter mir bildete sich eine Schlange. Die anderen fuhren nicht an mir vorbei. Ist das denn so schwer? Deren Motoren funktionierten schließlich. Aus den neidischen Gedanken riss mich plötzlich ein junger Typ, der an meine Scheibe klopfte. "Mensch, fahr doch wenigstens zur Seite", polterte er. "Mein Motor geht nicht." Das ging mir genauso schwer über die Lippen wie vor fünf Jahren, als ich mir zum ersten Mal in den Spiegel sagte, "meine große Liebe hat mit mir Schluss gemacht". "Dann schieb ihn wenigstens zur Seite", entgegnete der Proll mir schlicht. Häh? Ich war verdutzt. Wie soll ich armes 50-Kilo-Wesen denn meinen Brummi schieben? Ich guckte ihn mit großen Rehkitzaugen an, bei Robert hatte ich damit auch immer Erfolg gehabt, bis er in unserem Urlaub eine Animateurin kennenlernte. Kurzerhand brachte der Fremde mein Auto ins Rollen, eine Minute später rief ich eine Freundin an, die mich und meinen Liebling abschleppte.

Als ich am nächsten Tag in der Werkstatt erfuhr, dass meinem Kleinen nur eine unscheinbare Sicherung durchgebrannt war , streichelte ich ihm sanft den Kotflügel – Treue ist doch etwas Wunderbares …