Peking (dpa/dapd). Kann es "Aufklärung am Tian’anmen" geben? Diese Frage wird das bislang wichtigste deutsche Kulturprojekt in China beantworten müssen. Im Nationalmuseum in Peking eröffnet heute in Gegenwart von Außenminister Guido Westerwelle (FDP) die Ausstellung "Kunst der Aufklärung". Der Ort ist heikel: Das Museum liegt direkt neben dem Tian’anmen-Platz, wo 1989 die Studenten für Demokratie in den Hungerstreik traten. An der Nordseite verläuft die Straße des Ewigen Friedens, wo Panzer und Truppen den damaligen Volksaufstand blutig niederwalzten.

Mit rund 600 Exponaten aus den Staatsmuseen in Berlin, Dresden und München ist es die erste internationale Gastausstellung in dem neuen Museum, das vom Hamburger Architektenbüro Gerkan, Marg und Partner zum größten der Welt erweitert wurde. Große Meisterwerke von Caspar David Friedrich, Daniel Chodowiecki, Francisco de Goya oder Thomas Gainsborough standen ganz oben auf der chinesischen Wunschliste. "Eine Ausstellung, die in der Substanz ihresgleichen sucht", schwärmt Botschafter Michael Schaefer. Zwölf Monate wird die Schau dauern, die sich die Deutschen zehn Millionen Euro kosten lassen.

"Für mich ist das Projekt so ziemlich das wichtigste, was ich in meinem Berufsleben gemacht habe", sagt der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Martin Roth. In dem einmaligen Vorhaben machen auch die Staatlichen Museen zu Berlin und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen mit.

Die Bedeutung der Aufklärung wirkt bis heute. Im 18. Jahrhundert wurde der Verstand zum Maßstab aller Dinge, erhob sich der Bürger gegen die uneingeschränkte Macht der Herrscher. Freiheit statt Absolutismus – eine Forderung, die heute in Chinas kommunistischer Diktatur mehr als zeitgemäß ist. Dem an der Ausstellung beteiligten bekannten Sinologen Tilman Spengler haben die Chinesen die Einreise zur Eröffnung verweigert. Begründung: Spengler sei "kein Freund des chinesischen Volkes".