"Das ist ein guter Platz zum Spielen", sagt Peter Maffay beim Blick aus den Fenstern der Orangerie in Ferropolis. Draußen im Licht der schon kräftigen Frühlingssonne stehen fünf ausgediente Schaufelrad- und Eimerkettenbagger. Sie werden Kulisse sein für sein Konzert am 27. Mai. Maffay, der 61-jährige Deutsch-Rocker, geht wieder auf "Tattoos"-Tour.

Von Grit Warnat

Ferropolis. "Ein Tag wie jetzt und etwas wärmer. Dann wird das ein tolles Konzert", sagt Maffay. Nur leichte Schleierwolken ziehen vor die Sonne, als Maffay vor 50 Journalisten und Fans von diesem außergewöhnlichen Stadt-aus-Eisen-Ambiente schwärmt. "Das ist hier so unvergleichbar." Er meint die Kulisse und die Tatsache, dass es keine Auflagen zur Lautstärke gegeben habe. Hier im freien Land zwischen Gräfenhainichen und Oranienbaum wird niemand gestört. 20000 Fans können zwischen Eisen und Baggerseen feiern – mit Maffay, mit seiner Band, mit dem Philharmonic Volkswagen Orchestra.

Maffay ist gut aufgelegt. Er freut sich auf den zweiten Teil der Tour, sagt er.

Da kann er sich auch freuen. "Tattoos" ist bei den Fans bisher gut angekommen. 28 Konzerte hat Maffay im November und Dezember 2010 bereits gegeben, auch in Magdeburg hatte er seine Fans mit seinen alten und neu arrangierten Songs auf eine Zeitreise durch seine 40-jährige Musikgeschichte mitgenommen. 7000 Fans klatschten ihm in der ausverkauften Bördelandhalle begeistert zu. Wohl auch ein Grund dafür, dass er im zweiten Teil der Tour hier wieder gastieren wird. Dem 27. Mai in Ferropolis folgt der 29. Mai in Magdeburg – mit Orchester und Band.

Die Tour mit einem Orchester sei eine Bierdeckelidee gewesen, als anfangs überlegt wurde, wie man originell, anders, interessant den musikalischen Querschnitt der Maffayschen Musik wiedergeben könne.

Jetzt, mit den gesammelten Erfahrungen, spricht Maffay in hohen Tönen von der Zusammenarbeit. Er nennt sie kreativ und toll, und die Auftritte mit dem Orchester zwar logistisch aufwändig, dafür aber interessant und spannend. "Nach der Tour im Sommer wird das vorbei sein." Dann ist auch Maffay um eine Erfahrung reicher. Gestern sagt er: "Es war ein Versuch. Es war die richtige Entscheidung."

Bis Ende Juni wird Maffay mit "Tattoos" auf Kontraste setzen, auf Altes und Neues, Kraftvolles und Leises, natürlich auf die großen Titel seiner Laufbahn. Es geht Maffay um Songs, die Spuren hinterlassen wie Tätowierungen auf der Haut.

"Mit dem Fernglas neue Aufgaben suchen"

Wird er wieder "Über Sieben Brücken" spielen, fragt jemand aus der Runde. Maffay lächelt. Ein Konzert ohne den Karat-Song, den er gern selbst geschrieben hätte, wie er beim Magdeburg-Konzert verraten hatte, und den er erstmals sang, als noch die Mauer zwischen Westen und Osten stand, geht nicht. Stehe der Titel nicht im Programm, werde er eingefordert von den Fans, sagt Maffay. "Dieses kleine Lied, winzige fünf Minuten lang, hat riesige Kraft besessen. Und diese Kraft hat es bis heute nicht verloren."

Apropos Kraft. Wer eines seiner jüngsten Konzerte erlebt hat, wird das Gefühl nicht los, Maffay werde ruheloser im Alter. Wieder lächelt der Rocker: "Das mit der Pause ist anstrengend." Und damit es wohl nicht so anstrengend wird, hat der 61-Jährige natürlich schon Neues im Blick.

Tabaluga, die Fünfte, kündigt Maffay für den Herbst an. Und dann? "Wenn das vorbei ist, hol ich mir ein Fernglas und suche neue Aufgaben. "Bloß nicht langweilig werden", fügt er dann noch an und schaut wieder aus den Orangerie-Fenstern raus zu den gigantischen Baggerriesen.

Was wird, wenn es regnet? Eine Frage, die Maffay nicht wirklich hören möchte, weil er bei Sonne und bei Regen spielt. In jedem Fall singt er ,Und es war Sommer‘.

"Das ist ein guter Platz zum Spielen", sagt der 1,68-Meter-Mann mit Blick auf das Konzert und weiß jetzt schon, dass er Lampenfieber haben wird. Das sei unabhängig von dieser Kulisse. Dieses Lampenfieber sei nämlich immer da, vor jedem Auftritt, auch wenn er Dinge schon 100-mal gemacht habe. "Ich will einfach raus auf die Bühne und nicht mehr warten."