Von Dorit Koch

Hamburg/Sylt (dpa). Rätselhafte Morde und typisch norddeutscher Humor: Die ZDF-Krimikomödie "Nord Nord Mord" bringt ein neues Ermittlertrio auf den Bildschirm – angeführt von Robert Atzorn. Möglicherweise warten sogar weitere Fälle auf die drei von der Insel.

Auf Sylt geht Profiling anders – das muss der neue Kollege auf dem Polizeikommissariat im hohen Norden erst noch lernen. Als Ermittler Hinnerk Feldmann (Oliver Wnuk) auf der Nordseeinsel den Dienst antritt, kann er mit seinem Wissen zum Erstellen von Täterprofilen erst mal wenig beeindrucken. Schon gar nicht Hauptkommissar Theo Clüver (Robert Atzorn), der dem eifrigen Neuling dringend ans Herz legt, sich locker zu machen. "Das heißt also, weniger Profiling und dafür mehr Krabbenpulen?", versteht Feldmann. Und Clüver stimmt ihm zu: "Warum nicht? Wer Krabben pult, hat Zeit zum Nachdenken – Profiling auf Norddeutsch sozusagen."

Der Film "Nord Nord Mord", morgen ab 20.15 Uhr im ZDF, mixt rätselhafte Morde am Meer mit dem trockenen Humor der Insulaner.

Als Ermittlertrio haben Clüver, Feldmann und deren junge Kollegin Ina Behrendsen (Julia Brendler) in der Krimikomödie ihren ersten gemeinsamen Auftritt – und möglicherweise nicht den letzten. Das ZDF, das die Hauptsendezeit am Donnerstag seit kurzem zum Serienabend umgestaltet hat, schließt eine Fortsetzung oder gar eine Reihe nicht aus. Stoff genug für mehrere Filme liefern allein schon die skurrilen Helden allemal – allen voran Hauptkommissar Clüver:

Der frühere Hamburger "Tatort"-Kommissar Atzorn gibt den abgeklärten und gelassenen Ermittler, der morgens nicht mehr braucht als "eine Nassrasur, die Rolling Stones und den frischen Wind von der Nordsee". Seine spezielle Methode bei der Suche nach Verbrechern? "Wenn’s mal wieder soweit ist, da geh’ ich raus auf die Straße, klöne mit den Menschen – und irgendwann da klön’ ich auch mit dem Mörder."

Mit den Stones kann der Lady Gaga hörende Feldmann ebenso wenig anfangen wie mit Clüvers Methoden und der Nordsee. "Wie weit muss ich denn noch rein, damit ich schwimmen kann?", fragt der von der Ostseeküste Zugereiste knietief im Meer stehend, "bei uns kann man wenigstens immer baden!"

Lockere Sprüche und leichte Überheblichkeit

Für solche Sprüche wie für seine leichte Überheblichkeit ("Internet, E-Mails – schon mal was davon gehört?") muss der vorher in Hamburg und Chicago gewesene Profiler ordentlich Kontra einstecken. Besonders von der kecken Kollegin Behrendsen, bei der er zunächst auch mit seinen tollpatschigen Komplimenten ("Du riechst nach Buttermilch" oder "Du hast schöne Ohren") abprallt. Dafür muss er sich von Einheimischen als "Clown von der Ostsee" bezeichnen lassen.

Nordisch und herb, skurril und liebevoll sind Charaktere und Geschichte angelegt – gedreht auf der Deutschen liebsten Insel, die aber im Film ein Eiland ohne Namen bleibt.

Wie eine rituelle Exekution, die Verbrechern auf Sylt vor 200 Jahren drohte, sieht dann auch der Fund einer Leiche aus: aufgebahrt auf einem riesigen Steuerrad. Dabei sollte der Tote doch als Mitglied der Band Die Küstenpiraten in Kürze beim "54. Tag der Miesmuschel" auftreten.

Als Vorlage diente das Buch von "Stromberg"-Autor Lars Albaum, der auch hier mit witzigen Dialogen punkten kann. Regisseur Josh Broecker, der fürs ZDF zuletzt "Scheidung für Fortgeschrittene" drehte, inszenierte die Krimikomödie leicht und launig – und so unaufgeregt wie die Norddeutschen halt sind.