Begeisterten Beifall gab es am Sonntagnachmittag in der Magdeburger Stadthalle für die "Rückkehr der Shaolin", die auf ihrer bis April dauernden Deutschland-Tournee in der Elbestadt Station machten. In einer zweistündigen, atemberaubenden Show zeigten sie fast unglaubliche Artistik, phänomenale Körperbeherrschung, aber auch Nachdenkliches.

Von Rolf-Dietmar Schmidt

Magdeburg. Im Jahre 600 nach Christus meditiert ein indischer Mönch neun Jahre lang in einer Höhle oberhalb eines mitten im Walde gelegenen Klosters im alten China. Shao heißt im Chinesischen Hügel, an dem das Kloster liegt, und lin bedeutet Wald. So entsteht der Name der Shaolin-Mönche, der zur Legende für Kung-Fu-Kampfkunst, Körperbeherrschung, Verzicht und das Finden der inneren Mitte eines Menschen wird.

Der erste Teil der farbenfrohen, spannenden und temporeichen Show widmet sich vor allem dieser Entstehungsgeschichte der Shaolin-Mönche, unterbrochen von szenischen Beispielen für Konzentration, Willenskraft und Präzision. Da wird mit einer winzigen Nadel eine vorher vom Publikum geprüfte Glasplatte durchstoßen oder mit wirbelnden Ketten eine Kampfszene dargestellt.

Doch der Kampf ist nicht Selbstzweck, wie immer wieder ein Sprecher aus dem Hintergrund erläutert. Die Mönche waren trotz ihrer Abgeschiedenheit oft in Gefahr, so dass die Entwicklung des Kung Fu für sie immer nur der Abwehr, nie dem Angriff diente. Diese Abwehr entwickelten sie zur Perfektion der Körperbeherrschung mit dem Primat des Geistes.

In der Vorstellung wird auf das jahrelange Training von beidem verwiesen, auf Entbehrungen und Entsagungen von Kindesbeinen an. So sind zwei Jungen, vielleicht sieben oder acht Jahre alt, ebenfalls Akteure in diesem Programm. Sie stehen den erwachsenen Shaolin-Künstlern in nichts nach, werden ganz selbstverständlich in das Geschehen integriert und an keiner Stelle geschont. Diese Faszination überträgt sich auf das Publikum, in dem bei dieser Vorstellung viele Kinder waren, die mit teils offenem Mund den artistischen Darbietungen ihrer Altersgenossen folgten.

Aber vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt. Darauf wird in der Show mit chinesischem Pädagogikansatz eingegangen. Als einer der kindlichen Mönchsanwärter keine Lust mehr auf Anstrengung und Entbehrung hat und seinem Meister mitteilt, dass er nicht mehr trainieren möchte, macht der deutlich, dass man nur durch Ausdauer und Härte zu sich selbst das Chi erreichen kann, den inneren Energiefluss zur vollendeten Harmonie. Folgerichtig der Satz des Jungen, der hoffentlich auch allen Altersgenossen, noch besser deren Eltern, im Ohr geblieben ist: "Ich folge Dir Meister, denn dein Vorbild ist meine Motivation."

Überhaupt hat diese Zwei-Stunden-Show eine ausgesprochen professionell belehrende Dramaturgie. Neben den teilweise martialischen Vorführungen, bei denen Stahlstäbe durch Schläge auf den Kopf zerbrochen oder jemand auf rasiermesserscharfen, aufrecht stehenden Schwertern liegt, folgen nachdenkliche, stille, philosophische Szenen. Während ersteres wahrlich nichts für schwache Nerven ist und nicht zur Nachahmung empfohlen wird, ist das im nächsten Moment ganz anders. Da kommt beispielsweise ein schon sehr alter Mann und zeigt, wie man mit Kung Fu oder Qi Gong seinen Körper beweglich halten kann. Ein Spagat mit 70 Jahren, bei dem die Füße verdreht und der Oberkörper in vier Richtungen gestreckt abgelegt wird. Verbunden ist das mit dem belehrenden Hinweis: Das könnt ihr auch, wenn ihr fleißig übt. Ich glaube das nicht.