Von Hans Walter

Wernigerode. Der Gewinner des 2. Internationalen Klavierwettbewerbs "Neue Sterne" ist der Österreicher Florian Feilmair. Jubel beim 21-jährigen Solisten und Publikum, als der Initiator und Jurychef Professor Albert Mamriev die Entscheidung am Sonntagabend vor dem abschließenden kleinen Preisträgerkonzert bekannt gab.

Vom 24. bis 27. März war das Harzer Kultur- und Kongresszentrum Austragungsort für 21 Teilnehmer aus 16 Ländern von drei Kontinenten um die vier Preise.

Die Möglichkeiten des Hauses und hervorragende Organisation bei niedrigen Kosten ließen Mamriev erneut jubeln: Die Stadt Wernigerode bot ideale Bedingungen für den Wettbewerb. Die hochkarätige achtköpfige Jury aus sechs Ländern leistete Schwerstarbeit. Bis zu elf Stunden am Tag erklang Klaviermusik, waren die Teilnehmer zu beraten. Alle Veranstaltungen waren öffentlich. Bis zu 350 interessierte Konzertbesucher jeweils kamen zu den einzelnen Wettbewerbsrunden.

Sie erlebten Spitzeninterpreten mit offenem Repertoire und ohne Altersbegrenzung. Wie die expressive 42-jährige Elen Rapoport aus Neuseeland, die zarte Russin Nadeshda Pisareva (23), die 28-jährige Bernadetta Raatz (Polen/Spanien) oder die Südkoreanerinnen Hyun Jee Moon (27) und Sarah Soyeuon Kim (29). Bach, Brahms, Beethoven, Chopin, Debussy, Haydn, Liszt, Mozart, Prokofjew und Tschaikowski waren die Favoriten. Aber auch Babafjanjan, Franck, Mussorgski, Rachmaninoff, Schubert, Schumann, Ravel und andere Komponisten machten die große zeitliche und künstlerische Spannbreite der Beiträge deutlich.

In der Finalrunde am Sonntag hatten deutlich die Herren obsiegt, obwohl sie beim Wettbewerb in der Minderzahl waren – 15 Damen traten gegen sechs Herren an. Erstmals spielte dazu das Philharmonische Kammerorchester die gewünschten Konzerte für Klavier und Orchester unter Leitung von Jurymitglied Christian Fitzner. Acht Konzerte mit Proben und Aufführungen an einem Tag zu bewältigen – es war härteste Arbeit!

Leicht und lyrisch beschwingt interpretierte Sarah Soyeoun Kim aus Südkorea Mozarts Klavierkonzert Nr. 23. Spielerisch und kantabel, mit langen fantasievollen Kadenzen, breitete der Italiener Sebastian Di Bin die Musik des Beethoven-Klavierkonzerts Nr. 1 vor den Zuhörern aus. Bravorufe und langer Applaus – wobei Fitzner den bescheidenen, ganz und gar uneitlen Solisten förmlich vors Publikum drängen musste.

Florian Feilmair mit Gefühl für Beethoven

Die größte Überraschung aber hielt Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 in c-Moll bereit – zunächst vom Kanadier Gagnon Benuit (29) sehr elegisch gespielt, mit wuchtigem Anschlag. Dann erklang dasselbe Konzert noch einmal – mit dem Österreicher Florian Feilmair. Ganz anders, schneller, motorischer, sensibler. Er hatte das Gefühl für Beethoven in den Fingern, seine Seele wehte über die Tasten. Er liebkoste die Musiker mit seinem Spiel und trieb sie zu differenziertem Ausdruck an. Spielerisch beeindruckend und erhebend, was der junge Mann mit leichtem, fast jazzigem Anschlag – einer der wenigen Schüler des Altmeisters, des Klavierzauberers Alfred Brendel – da machte. Von ihm wird man noch Großes hören!

Die Jury vergab den vierten Preis an Gagnon Benuit und entschied, zwei 2. Preise zu vergeben – an Sarah Soyeoun Kim und Sebastian Di Bin. Albert Mamriev, Oberbürgermeister Peter Gaffert und Gerda Rohde, die betagte Schirmherrin und Sponsorin des Wettbewerbs, überreichten sie.

Der erste Preis ging an Florian Feilmair. Er ist mit 5000 Euro dotiert und mit einem Gewinner-Konzert bei der Eröffnungszeremonie des 3. Internationalen Klavierwettbewerbs "Neue Sterne" verbunden. Große Freude beim Solisten und beim Publikum.