Die Aktionstage des Deutschen Kulturrates "Kultur gut stärken!" waren im Theater Magdeburg gestern Anlass für eine Podiumsdiskussion. In der eineinhalbstündigen Diskussion war allenfalls eine Zustandsbeschreibung möglich. Und die ist durchaus positiv. Dies bei gleicher finanzieller Ausstattung zu erhalten, wird sehr schwierig. Deshalb sind Ideen gefragt, die vom erwarteten Kulturkonvent ausgehen sollen.

Von Rolf-Dietmar Schmidt

Magdeburg. Es dauerte keine fünf Minuten, in denen Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper das Theater seiner Stadt für die Erledigung der Hausaufgaben lobte, da war er auch schon beim Geld. Er habe kein Verständnis dafür, dass sich das Land Sachsen-Anhalt bei den Kulturzuwendungen für Halle um die elf Millionen Euro bewege, während die Landeshauptstadt mit gerade einmal neun Millionen Euro bedacht werde.

Diese Steilvorlage ließ Staatsminister Rainer Robra natürlich nicht unwidersprochen. Halle stünde erst am Anfang seiner Sparbemühungen. Aber das Modell der langfristigen Theaterfinanzierung des Landes hätte sich bewährt. Das gebe Planungssicherheit. Dennoch, und darüber sei er sich durchaus im Klaren, habe ein jährlicher Festbetrag bei allgemeinen Kostensteigerungen einen Abschmelzeffekt.

Robra brachte an dieser Stelle den geplanten Kulturkonvent für das Land Sachsen-Anhalt ins Spiel. Hier müssten die Weichen für die nächsten zehn bis zwölf Jahre gestellt werden. Er machte kaum Hoffnung auf künftige weitere finanzielle Spielräume, sondern mahnte ganz vorsichtig strukturelle Veränderungen für eine effizientere Kulturlandschaft an. Wohl wissend, welch Sprengstoff sich darin verbirgt.

Beim Thema langfristige Theaterfinanzierung waren sich alle Diskussionsteilnehmer einig, dass sich diese Form bewährt habe. Kritik wurde vor allem an der starren Aufteilung der Summen auf die Jahre geübt. Die Indendantin des Theaters der Landeshauptstadt Karen Stone verkündete voller Stolz, dass das Theater Magdeburg in den zurückliegenden sechs Monaten ein Rekordergebnis bei den Einnahmen eingespielt habe. Sie warnte aber davor, nur in Kennziffern zu denken. So sage die Zahl der Zuschauer nichts über die Einnahmesituation. Es müsse der Spagat zwischen diesen beiden Eckwerten bewältigt werden. Bei ihren 450 Beschäftigten bedeute ein Prozent Lohnerhöhung eine Summe von zusätzlich 200000 Euro.

Auch Dirk Löschner, Intendant des Theaters der Altmark, befürwortete die langfristige Theaterfinanzierung. Er konnte sich allerdings den Seitenhieb nicht verkneifen, dass das Nordharzer Städtebundtheater bei jährlich 100000 Besuchern mit neun Millionen Euro auskommen müsse, während man in Magdeburg mit 160 000 Besuchern im Jahr rund 20 Millionen Euro mehr brauche. Das war wohl ein kleiner Vorgeschmack auf das Hauen und Stechen im erwarteten Kulturkonvent.

Neben künstlerischem auch Bildungsauftrag

Michael Kempchen vom Puppentheater Magdeburg sieht sein Haus als gleichberechtigtes Theater mit den großen Häusern. Gerade das Puppentheater habe neben dem künstlerischen auch noch einen Bildungsauftrag. Auch darüber müsse man, so der Intendant, in dem Kulturkonvent sprechen und entsprechende Festlegungen treffen. Mit dem bevorstehenden Puppentheaterfestival wollen die Puppenspieler auch regionale Zeichen setzen.

25 professionelle freie Theater hat Sachsen-Anhalt. Daneben existieren 25 weitere Theater, die nebenberuflich das kulturelle Leben bereichern. Sie alle, so Katrin Brademann vom Landeszentrum "Spiel und Theater" Sachsen-Anhalt e.V., können allenfalls auf die Förderung einzelner Projekte hoffen und sind auch sehr dankbar dafür. 30 Prozent dieser Theater erhalten einmal im Jahr eine solche Förderung.