Zu ungeraden Jahreszahlen lädt das Puppentheater Magdeburg zum Internationalen Figurentheaterfestival. 2011 ist solch ein Jahr. "unheilig" ist das Festivalprogramm überschrieben, das am 18. Juni mit der fünften Auflage von "La notte" eröffnet wird. Bis zum 24. Juni werden 31 Veranstaltungen folgen. Gestern wurde das Festivalprogramm vorgestellt.

Magdeburg. "Wir leben in einer Zeit, in der die individuelle Haltung immer stärker gefragt ist. Wir wollen auf die eigene Moral blicken, die den humanistischen Traditionen verpflichtet ist, und uns mit Wertvorstellungen auseinandersetzen. Dabei geht es um die Frage, was uns heilig ist." Mit diesen Worten erklärte Michael Kempchen beim Pressegespräch im Puppentheater die Intentionen des Hauses, das diesjährige Festival unter das Motto "unheilig" zu stellen. Es korrespondiere mit dem Spielzeitmotto "überleben".

Auch in der aktuellen Spielzeit frage das Haus in seinen Inszenierungen immer wieder nach diesen moralischen Qualitäten unserer Gesellschaft. Kempchen: "Es geht uns um Denkanstöße, um Haltungen, um das Vermitteln von Werten."

Darüber soll sich auch in einem Podiumsgespäch alles drehen. Diskutiert werden soll am 23. Juni mit Machern, Beobachtern und Veranstaltern über die Wahrnehmung von Puppentheater und die Erwartungen des Publikums an diese Kunstform. Zu diesem Termin werden schon vier Tage Figurentheater und die große Eröffnungsveranstaltung im Wissenschaftshafen hinter den Machern und den Besuchern liegen.

32 Veranstaltungen, 230 Künstler

Eine Woche lang lädt das Puppentheater ein – zu insgesamt 32 Veranstaltungen. Das Programm ist nicht mehr so prall gefüllt wie noch vor zwei Jahren.

"Wir haben entzerrt und abgespeckt", sagte Frank Bernhardt. Man habe sich vor allem von Parallelveranstaltungen verabschiedet, ebenso von einer Verlagerung des Spielgeschehens auf mehrere Außenspielstätten.

Die Festivalmacher setzen in diesem Jahr auf eine andere Struktur, der Fokus wird wieder verstärkt auf das Haus in der Warschauer Straße gelegt, auf dessen Bühnen die meisten Inszenierungen geboten werden. Weitere Spielstätten sind das Schauspielhaus und das Opernhaus. Doch zum Ausklang eines jeden Festivaltages, so betonte Bernhardt, stehe wieder das Puppentheater im Mittelpunkt. Jeden Abend wird auf der dortigen Sommerbühne zur "Wille Känina Show" geladen.

Das Programm ist so vielfältig wie die Kunstform. Dafür stehen 230 Künstler aus elf Ländern. Kempchen sprach von einem "fantastischen Programm", Bernhardt fiel es nicht leicht, aus der Fülle der Veranstaltungen einige Höhepunkte herauszupicken.

Und doch setzte er für jeden Tag ein, zwei Highlights und nannte unter anderem "Punch And Judy In Afghanistan" mit dem Stuffed Puppet Theatre aus den Niederlanden (19. Juni, 19.30 Uhr, Schauspielhaus), das französische Vélo Théâtre mit "Et il me mangea – und dann fraß er mich auf" (20. Juni, 19.30 Uhr, Opernhaus), "Basterd" von der niederländischen Dudapaiva Company (21. Juni, 19.30 Uhr, Opernhaus) und "Paper Cut" von Yael Rasooly aus Israel (21. Juni, 22.30 Uhr, Puppentheater).

Bernhardt hob auch "Major Dux oder der Tag, an dem die Musik verboten wurde" hervor: "Ich freue mich sehr, diese Inszenierung nach Magdeburg zu holen." Es ist eine Koproduktion des Bayerischen Staatsschauspiels München mit Künstlern und Kindern aus Uganda, Tansania und Kenia.

Insgesamt stehen sechs Auftrags- und Eigenproduktionen auf dem Spielplan. Dem Publikum werden zwölf Deutschlandpremieren geboten – mehr als ein Drittel des Gesamtprogramms.

Magdeburger sind stark vertreten

Der Gastgeber selbst ist neben der Organisation mit fünf Produktionen vertreten – laut Bernhardt so vielen wie noch nie bei einem eigenen Festival. Die Magdeburger Puppenspieler präsentieren sich unter anderem mit "König Richard III.", "Reineke Fuchs. Eine Vergangenheitsforschung" und der letzten Premiere dieser Spielzeit, der Inszenierung "Die Geschichte vom kleinen Onkel".

10000 Besucher werden zum Festival erwartet – die meisten zur Festivaleröffnung, wenn mit "La notte" der Wissenschaftshafen auf eine ganz besondere Art belebt werden wird und wohl ähnlich den Inszenierungen im Klosterbergegarten und im Buckauer Engpass ein Theater Visionen für ein städtisches Quartier entwickelt. Meinung

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