Das lange weinrote Plissee-Kleid, besetzt mit roten Muranoperlen und einem in der linken Schulter eingenähten Signet "Fortuny", inmitten des Ateliers im Dessauer Meisterhaus Kandinsky/Klee, zieht wie ein Magnet magisch die Blicke der Besucher an. Dieses originale Abendkleid schuf Mariano Fortuny um 1930. Es ist Bestandteil der Ausstellung "Meine zwanziger Jahre".

Von Helmut Rohm

Dessau-Roßlau. Dem Förderverein Meisterhäuser Dessau und der Stiftung Meisterhäuser ist es dank großzügiger Leihgaben der Hamburger Stiftung Ohm gelungen, eine herausragende Kollektion bedeutender Modeschöpfungen der 1920er Jahre zu präsentieren. Gezeigt werden Zeichnungen, Mode und Autographen aus den Jahren von 1918 bis 1933.

Mit der Wahl des Ausstellungsortes und mit der sorgsamen und pointierten Einbeziehung von Bauhaus-Mobiliar ist ein Bogen geschlagen worden zum Bauhaus Dessau, das als Inbegriff der Moderne gilt.

"Neben der bildenden Kunst und Kultur drücken sich der Zeitgeist und das Lebensgefühl einer Epoche besonders auch in der Kleidermode aus", so die Kuratorin der Dessauer Ausstellung, Christin Irrgang.

In den 20er Jahren war die Frauenmode besonders intensiv von Neuerungen betroffen. Sie wurde zum Inbegriff einer neuen Weiblichkeit. Die Dessauer Exposition, unter anderem mit Abendmänteln von Mariano Fortuny (1871-1949), einem Sommerkleid von Paul Poiret (1897-1943), dem Gesellschaftskleid von Madeleine Vionnet (1876-1975) und insbesondere dem Tageskleid um 1927 von Gabrielle (Coco) Chanel (1873-1971) und dem Kasack-Kleid um 1925 von Hedwig Dörschner (1907-1981), zeugt von der Hinwendung zur Funktionalität und Praktikabilität. Die Mode ist ausgerichtet auf die Bedürfnisse für den Alltag und die Freizeit, auch für die Abendgarderobe. Schnittvielfalt, verschiedenartige Materialkombinationen, das Experimentieren mit Motiven und die Verwendung zeittypischer Accessoires wie Handschuhe, Seidenschal oder Puderdose prägen den Chic und die Eleganz dieser Mode.

In der Dessauer Ausstellung, die von der Stiftung Bauhaus, der Kurt-Weill-Gesellschaft und der Stadt Dessau-Roßlau unterstützt wird, werden ebenso Zeichnungen der 20er Jahre aus dem Nachlass von Wilhelm Ohm (1905-1965) präsentiert.

Sie sind stilistisch zwischen Neuer Sachlichkeit und Surrealismus angesiedelt und spiegeln collageartig das Lebensgefühl der jungen Generation Berlins nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wider.

So ist in der Zeichnung "Die Bar" ein Bildnis des Stumm-Filmstars Pola Negri eingearbeitet. Zu sehen sind auch Bildnisse von Editha Schäfer, einer Förderin und Sammlerin neuer Kunst.

Die Dessauer Ausstellung gibt ebenso Einblicke in die Autographensammlung von Erika Ohm (1910-2000). Gezeigt werden unter anderem Bleistiftzeichnungen von Max Beckmann (1884-1950), die er auf den Rückseiten von Telegramm-Formularen fertigte.

Zur Ausstellung gibt es einen ausführlichen Katalog. "Meine zwanziger Jahre" ist bis 30. April geöffnet und kann dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr besucht werden.