Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Als 1973 zu den Weltfestspielen der Jugend und Studenten ein Festspielorchester gesucht wurde, wurden die besten Schüler aus den zahlreichen DDR-Musikschulen zum Jugendstreichorchester zusammengerufen. Die musikalische Leitung hatte der damalige Leiter der Berliner Singakademie, Helmut Koch.

Das Ensemble blieb auch nach den Jugendfestspielen zusammen, entwickelte sich zum Rundfunk-Musikschulorchester und schließlich zur Deutschen Streicherphilharmonie, die seit 1991 vom Verband Deutsche Musikschulen getragen wird. 11- bis 19-jährige Musikschüler aus der ganzen Bundesrepublik spielen heute in dem Orchester.

Das Musikschulensemble stand unter der Leitung namhafter Dirigenten wie Herbert Kegel, Wolf-Dieter Hauschild, Winfried Müller, Max Pommer, Jörg-Peter Weigle und Hanns-Martin Schneidt. Im Jahr 2003 übernahm Michael Sanderling, ab kommender Saison Chefdirigent der Dresdner Philharmonie, die musikalische Leitung des Orchesters, das als Elite-Nachwuchsorchester nicht nur in Deutschland, sondern auch international höchstes Ansehen genießt. Am Sonntag gastierten die jungen Musiker mit einem festlichen Konzert zum 1. Mai im Gartensaal des Magdeburger Gesellschaftshauses.

Zuerst erklang "An English Suite" von Hubert Parry, ein Werk, das für Streichorchester komponiert ist, und mit dem das junge Ensemble bereits sein großes Können zeigte. Die sieben Suitensätze zeichnen sich durch ganz verschiedene Charaktere und eine große Dynamik aus. Die Streicher vermochten etwa die Eleganz des Menuetts, die Melancholie der Sarabande oder die Ausgelassenheit der Caprice sehr überzeugend auszudrücken, wie auch den romantischen Geist des Air oder die temperamentvolle Frische des Abschlusssatzes "Frolic". Ausgezeichnete Intonation, schönes, plastisches Registerspiel und Variantenreichtum in Klanggestaltung und Ausdruck begeisterten im restlos ausverkauften Gartensaal.

Romantisch und virtuos ging es weiter. Die Streicherphilharmonie hatte zwei junge, aber doch schon erfahrene Solisten mitgebracht. Der Deutsch-Koreaner Isang Enders, der, gerade 23-jährig, bereits 1. Solocellist der Sächsischen Staatskapelle Dresden ist, spielte das Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 129 von Robert Schumann, dessen Orchesterpart von Alexander Kahl und Florian Vygen sehr geschickt für Streichorchester eingerichtet wurde.

Der Cellist spielte den sehr schwierigen Solopart brillant, mit großer Dynamik und außerordentlich klangschön, wobei ihm die Verbindungen der virtuosen Passagen mit den gefühlvoll-kantablen Phrasen ganz besonders gut gelangen. Im Zusammenspiel mit dem Orchester überzeugte die große Genauigkeit und eine ausgesprochen lebendige Gesamtgestaltung. Klanglich interessant das Orchesterspiel, bei dem man die Bläserstimmen gar nicht vermisste.

Als zweiter Solist war der 21-jährige Koreaner Da Sol mit Chopins Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll op. 11 zu erleben, und auch er konnte begeistern. Hier ist der Solist eine Art "Alleinherrscher", und ihm gelangen wunderbar perlende Läufe, tänzerische Triller, rasante Oktavenläufe und Triolenpassagen, ein klangschönes Feuerwerk pianistischer Kunst, das aber doch nicht so zur Wirkung hätte kommen können, wenn nicht auch hier das Orchester ein einfühlsamer und außerordentlich präziser Begleiter gewesen wäre.

Insgesamt erlebten die Besucher ein wirklich sehr schönes Konzert mit jugendlichen und schon meisterlichen Musikern.