Die an fernöstliche Kämpfer erinnernden athletischen Helden sinken nach einem ekstatischen Finale völlig erschöpft zu Boden. Und sie werden, mit fast ekstatischen Beifallsovationen, gefeiert – vom Magdeburger gut generationsgemischten Publikum. Im annähernd ausverkauften Schauspielhaus hatte am Sonnabendabend der Ballett-abend "Tanzbegegnungen 1" seine Premiere.

Magdeburg. Dieser Ballettabend ist ein durchaus gelungenes Experiment, den Gästen verschiedene Tanzsprachen und Stile in drei kürzeren Chorografien zu präsentieren. Sie belegen nachhaltig, dass Tanz die wohl überhaupt ausdrucksstärkste menschliche Äußerungsform ist, mit schier unfassbarer Vielfalt und großem Kontrastreichtum.

Als erstes: Es sind durchweg Choreografien, die schon erfolgreich anderswo aufgeführt worden sind. In Magdeburg werden sie in den jeweilig kompletten Urfassungen, inklusive Bühnenbild und Kostümen, und, zweitens, von der aktuellen Magdeburger Companie getanzt. Jedoch, obwohl sie teilweise anwesend waren, wurden die Choreografien nicht von ihren Schöpfern einstudiert.

Zur Aufführung gelangten "Instante" von Gonzalo Galguera, 2002 in Dessau uraufgeführt. Galguera ist heute Magdeburger Ballettdirektor – und er tanzt selbst mit. Mit fast 42 Jahren. Einstudiert hat "Instante" Olga Ilieva, heute Ballettmeisterin in Magdeburg. Sie tanzte in der Dessauer Uraufführung.

"Tempus Fugit" aus dem Jahr 2007 stammt von Robert North, zur Zeit Choreograf in Krefeld. Bereits mehr als 36 Jahre alt ist seine Ballettinszenierung "Troy Game". Für beide Aufführungen in Magdeburg verantwortlich ist seine Assistentin Rosella Capriolo.

"Haben die Stücke eigentlich eine Handlung?", fragte kurz vor der Vorstellung ein junger Besucher seine wohl kundigere Begleiterin. "Guck einfach zu, mache dir deine eigenen Gedanken", so der gutgemeinte Rat.

In der Tat: Die drei Teile dieser "Tanzbegegnungen" sind an sich (fast) handlungslos, bieten viel Raum, sich eigenen Gedanken und Gefühlen hinzugeben.

Bei den ersten beiden Stücken geben die Choreografen Themen, oft mehr nur philosophische Begriffe an. Im recht abstrakten "Instante" oder "Augenblick" nehmen zwei Paare ihre Zuschauer durch ihren emotionsgeladenen langsamen, völlig hektikfreien Tanz mit klassischer bravouröser Zeichnung mit in eine bewegende Gedankenwelt.

Innige Beziehungen von Mann und Frau

Einziges Bühnenelement sind drei quadratische Flächen. Gonzala Galguera im ausdrucksstarken Solo ist wie ein Suchender zwischen den Zeiten, zwischen Gegenwart und Vergangenheit und Zukunftsblick. Werden die Menschen in der Zukunft – wie in der ungemein symbolträchtigen Schlusspose möglicherweise angedeutet – Glück und Geborgenheit finden?

Zeit ist auch das Rahmenthema für "Tempus Fugit". Zu Vivaldis variantenreicher Musik, vom furiosen Tempo bis zu lyrischer Eindringlichkeit, bringen fünf Paare mit farbenfrohen Kostümen Lebensfreude pur auf die Bühne, ausgelassen in sich fließend veränderten Besetzungen flott dargeboten. Freudensprünge im wahrsten Sinne des Wortes wechseln sich mit innigen Mann-Frau-Beziehungen ab.

Nach der Pause bietet "Troy Game" kontrastreich Anderes. Neue Musik, ein ganz anderer Tanzstil und auch oft vordergründiger Humor. In Aktion acht in farbenfrohe türkische Wrestler-Kostüme gekleidete athletische Akteure mit gewollt überzogenem männlichen Animiergehabe (Lacher gleich von Beginn an).

Sie präsentieren zu stark rhythmusbetonter brasilianischer Batucada-Musik ein Feuerwerk von Kampfeslust in Paarbeziehungen, solistischen Sprungkaskaden, gepaart mit erheiterenden komödiantischen Einfällen. Dabei temposteigernd – bis fast zum Kollaps.

Die nächsten Aufführungen finden am 20. Januar und am 12. März, jeweils um 19.30 Uhr, statt.