Nena ist seit 30 Jahren im Geschäft und hat nichts an Kraft und Ausstrahlung verloren. Verblüffend, was sie in der Magdeburger Stadthalle Dienstagabend ablieferte. Ihre Show reißt mit, alte Hymnen sind genial aufgepeppt, die neuen Songs ihres Albums "Made in Germany" gehen ins Ohr und speichern sich schnell auf der inneren Festplatte.

Von Claudia Klupsch

Magdeburg. Rockig-flockig geht es zu. Nena in Jeans, Streifen-Shirt und Turnschuhen lässt es ordentlich krachen. Elektrobeats fliegen den Fans um die Ohren. "Schön, Schön, Schön" klingt ihre unverwechselbare Stimme in einem der Aufreißer. "Schön, dass ihr hier seid", begrüßt sie ihr Publikum fröhlich-locker. Ja, schön hier zu sein. Denn in den nächsten zwei Stunden wird gewippt, getanzt und mitgesungen.

Keinen der Songs kündigt Nena mit Worten an. Jeder Anfang wird inszeniert – mit Lichtspiel und einstimmendem Groove. Nena, die erfahrene Entertainerin, geht auf ihr Publikum zu. Jenes braucht ein wenig Zeit aufzutauen. Die Diva hat ewig auf sich warten lassen, bis sie endlich die Bühne betrat.

Die neuen Stücke wie "Du bist mein Geheimnis" und "Wir sind wahr" hört sich das Publikum aufmerksam an. Die aktuelle Nena ist extrem tanzbar, rasant, funky. Höhepunkt: "Ich bin hyperaktiv" mit wummernden Elektro-Rock-Beats und einer wild tanzenden Powerfrau. Die Band aus elf Musikern erzeugt Gewusel auf der Bühne. Und Nena mittendrin! Perfektes Zusammenspiel und alles scheint leicht und spontan. Die Musiker brennen zusammen mit der Elektrobeat-Queen Nena ihr Feuerwerk ab, inklusive Gitarrensoli und Drummerspektakel.

Sparsam eingetaktet sind leise Momente. Zu Balladenhochform läuft die Sängerin bei "In meinem Leben" auf. Eine Art wortschöne Lebensbilanz, emotional mit Gitarrenklängen inszeniert. Feuerzeuge springen an.

Natürlich kommt Nena nicht daran vorbei, ihre alten zeitlosen Lieder zu bringen. Und wie sie das macht! Die Versionen sind schneller, härter, lebendiger, besser. Selbst die Texte sind nicht heilig.

Beatles-Melodie für die 99 Luftballons

In "Nur geträumt" ist die Schlagzahl deutlich erhöht, was schließlich in ein Metal-Show-Element mündet: Headbangen zum ersten Nena-Hit aus den 80ern. "Irgendwie, irgendwo, irgendwann" erklingt in Reggae-Version. Jan Delay lässt grüßen. Beim verfremdeten "Leuchtturm" singt der ganze Saal "Aaaaaahhhhhh". Gemeinsames Singerlebnis auch bei "Wunder geschehn". Schöne Momente für Fans. Ach, ja und die guten alten Luftballons, die 99. 1000 Mal gehört, zu oft gehört. Aber so noch nicht. Nena und Band gehen dazu über, "Luftballons" zur Beatles-Melodie "Hey Jud" zu intonieren. "Nananananana", singt der Saal.

Nena macht Spaß mit ihrem rasanten, rockigen Auftritt in Magdeburg. Lebhaft und lebenshungrig. Nena rockt.