Nach dem knapp dreistündigen Konzert stehen mehr als 700 Zuschauer am Donnerstagabend im ausverkauften AMO und wollen einfach nicht aufhören zu klatschen und zu jubeln. Bodo Wartke hat ihnen einen grandiosen Abend beschert, sie zum Lachen, zum Mitsingen, zum Träumen gebracht. Und mancher Leser wird sich jetzt fragen: "Wer ist denn Bodo Wartke?" Die Antwort – ein wahrhaft begnadeter Entertainer.

Von F.-René Braune

Magdeburg. Er gehört zu jener Künstlergeneration, die einen großen Teil ihrer Fangemeinde über das Internet gewonnen hat. Bei youtube werden seine Auftritte und Lieder millionenfach aufgerufen, Spartensender wie 3sat und der zdftheaterkanal zeigen nahezu regelmäßig Ausschnitte seiner Programme.

Für die Preise, die er in den verschiedensten Kategorien gewonnen hat, wird er bald ein eigenes Zimmer einrichten müssen. Wikipedia führt ihn als deutschen Musikkabarettisten und Liedermacher am Klavier, er selbst bezeichnet sein Tun als Klavierkabarett in Reimkultur. Dabei ist er eigentlich noch viel mehr als ein Liedermacher und Kabarettist – Wartke ist gleichermaßen Lyriker der unterhaltsamsten Sorte, Comedian, Komponist und Vollblut-Musiker. All das hat er mit seinem Programm "Noah war ein Archetyp" auch bei seinem Magdeburger Gastspiel auf unverwechselbare Weise gezeigt, Humor auf höchstem Niveau.

Der Applaus hat schon stürmische Dimensionen, als er nur die Bühne betritt. Hier weiß offensichtlich jeder Zuschauer, was ihn erwartet. "Guten Abend und herzlich willkommen, hier in Machdeburch zu meinem neuen Programm", singt der Mann am Klavier zur Begrüßung und erklärt, dass er dringend davor gewarnt worden sei, "Magdeburg" zu singen, obwohl es so geschrieben wird.

"Haben wir heute Claudien im Saal?"

Beim zweiten Lied, "Andrea", suchen ein paar zu spät Gekommene ihre Plätze. Wartke unterbricht, lässt das Licht im Saal aufleuchten und geht an den Bühnenrand: "Schön, dass ihr noch gekommen seid, wir haben uns schon Sorgen gemacht. Und, Leute – woran lag’s?" Natürlich hat er die Lacher auf seiner Seite, jeder einzelne Zuschauer scheint schon nach knapp zehn Minuten heilfroh zu sein, eine der gut 700 Eintrittskarten ergattert zu haben. "Andrea" beginnt von vorn. Schon mit diesem ersten Liebeslied legt Wartke eine Sprachverliebtheit an den Tag, die den Zuhörern die pure Ungläubigkeit in die Gesichter treibt. Kaum zu fassen, was sich alles reimt: Andrea, Reha, Korea, Europea, Ikea, Andrena…lin – der Mann vergewaltigt und verbiegt die deutsche Sprache auf jede nur denkbare, aber ausnahmslos höchst vergnügliche Art und Weise.

Zwischendurch erklärt er, warum all seine Liebeslieder Frauennamen haben: "Bevor ich damit angefangen habe, hatten sich oft die falschen Frauen angesprochen gefühlt, aber nie die, die ich gemeint hatte. Deshalb habe ich sie mit den richtigen Namen benutzerdefiniert gemacht." Bevor er zu "Claudia" ansetzt, fragt er, ob heute irgendwelche Claudien im Saal seien, er wolle ja niemandem auf die Füße treten …

Bodo Wartke kann sagen, singen und spielen, was er will – das Publikum bejubelt fast jede Nummer. Häufig wird schon nach den ersten Tönen geklatscht, man kennt die Songs, freut sich über jeden und singt auch gern mal mit. Zum Attribut "überbordend" neigt die Stimmung, als er mit Bandbegleitung den Blues vom "PCdenzfall" singt und seinem Frust über Microsoft und Bill Gates freien Lauf lässt.

Jerry Lee Lewis lässt grüßen

Rund eine Stunde später – bei einer der drei Zugaben – hält es die Zuschauer kaum noch auf den Stühlen: Wartke und Band werden mit "Meine neue Freundin" zu Rock ’n’ Rollern, vom Klavier aus hämmert Bodo Wartke "Great balls of fire" in den Raum, Beine und Füße beginnen, bedrohlich zu zucken.

Immer wieder besticht der Mann auf der Bühne durch seine Vielseitigkeit – als rezitierender Komiker, als romantischer Pianist, der gefühlvolle Balladen spielt, als Sänger, dem kein Genre fremd zu sein scheint. Nach knapp drei Stunden dann der "Liebesliedgenerator" – ein Zuschauer möchte, dass Wartke eine Liebeserklärung auf klingonisch singt. Er tut’s und meint anschließend: "Klingonisch , ist aber so."

Gehen lassen möchte ihn an diesem Abend niemand, aber das Ende wird versüßt – zur Autogrammstunde findet sich wohl der halbe Saal ein. Besser geht’s nicht.