Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Alljährlich in den Winterferien treffen sich junge Jazzmusiker aus ganz Sachsen-Anhalt im Kloster Michaelstein zu einer Woche intensiver Probenarbeit. Das vom Musikrat Sachsen-Anhalt getragene Jugendjazzorchester steht seit 1999 unter der Leitung von Ansgar Striepens, der als erfolgreicher Jazzposaunist und derzeitiger Leiter und Arrangeur der WDR-Big-Band sowie Gastprofessor an der Folkwang-Hochschule Essen zu den bekanntesten Big-Band-Musikern Deutschlands gehört.

Die jungen Jazzer aus Sachsen-Anhalt sind bei ihm in besten Händen, was das Konzert nach der Winterarbeitsphase am Sonntag in Halle und am Montag im Magdeburger Schauspielhaus eindrucksvoll bewies.

Das vielgestaltige Programm vereinte Blues und Swing genauso wie gekonnte Arrangements von Film- und Popmusiktiteln. Sogar ein Arrangement nach Georg Friedrich Händels Oratorium "Der Triumph von Zeit und Wahrheit" HWV 71 war zu erleben, ein Ausschnitt einer Aufführung, welche bei den vorjährigen Händelfestspielen erklang.

Das groß besetzte Jazzorchester besticht zu allererst durch den sehr kultivierten und doch sehr schön variablen Klang. Wunderbare Dynamik, die von geheimnisvollem Pianospiel über farbigen vollen Bläserklang bis zu sehr expressiven Tuttis reicht, machte aus jedem einzelnen Titel etwas Besonderes. Dazu kamen ausgezeichnete Soli. Etwa bei "Walkin’ Tiptoe" des belgischen Trompeters Bert Joris, bei dem Sebastian Haas den technisch außerordentlich anspruchsvollen Solopart blies, oder beim Swingtitel "Smack Dab in the Middle" von Charles E. Calhoun, bei dem Claudius Stallbaum ein eindrucksvolles Solo auf dem Sopransaxofon spielte.

Ausdrucksstarke Solisten

Auch die Soloepisoden der Posaunistin Maria Trautmann und des Gitarristen Fabian Bender oder, ganz ausgezeichnet in seiner subtilen Klanggestaltung, Tim Pottel am Tenorsaxofon – dies sind nur einige Beispiele von vielen – ließen dieses Jazzkonzert zum ungetrübten Hörvergnügen werden.

Zu erwähnen sind auch die drei Gesangssolisten, Domenica Richter, Lisa Luise Zwinzscher und Ruslan Wellner. Alle drei sangen gekonnt und, wie besonders Lisa Luise Zwinzscher, mit bereits ausdrucksstarken Stimmen.

Dies war etwa bei Bronislau Kapers und Paul Websters "Invitation" zu erleben. Der Song war von Daniela Gerstmann, einer Musikerin des Orchesters, für Big Band arrangiert worden, und sie hat einen Sound gefunden, der Stärken dieser hervorragenden Formation zur Wirkung brachte. Alle Jazzfreunde können sich auf das nächste Konzert des Jugendjazzorchesters nur freuen.