Mit der Preisvergabe, den begehrten "Bären", sind die 61. Filmfestspiele von Berlin am Sonnabend zu Ende gegangen. Großer Sieger ist der iranische Filmbeitrag "Die Scheidung von Nader und Simin". Die Jury kürte das Drama zum besten Wettbewerbsbeitrag und kürte die Hauptdarsteller als beste Schauspieler. Insgesamt bleib die Berlinale hinter den Erwartungen.

Berlin. Gleich drei "Bären" konnten der iranische Regisseur Asghar Farhadi und seine Mitstreiter am Sonnabend-abend im Berlinale-Palast entgegennehmen. Ihr bewegendes Drama "Die Scheidung von Nader und Simin" bekam den "Goldenen Bären" für den besten Wettbewerbsbeitrag und zugleich zwei "Silberne Bären" für die besten männlichen und weiblichen Schauspieler – jeweils für das gesamte Ensemble. Damit ehrte die Jury unter Vorsitz von Isabella Rossellini nicht nur den mit Abstand stärksten Film, sondern sandte zugleich ein Signal in den Iran. Denn in die Berlinale-Jury war eigentlich auch Farhadis Landsmann Jafar Panahi eingeladen worden, dem aber vom iranischen Regime sowohl das Filmemachen als auch die Ausreise verboten wurden. Der Berlinale-Sieger Farhadi grüßte seinen Kollegen und sein "großes, sehr geduldiges Volk", das ihn seine Geschichten gelehrt hatte.

Keine Überraschung war auch die Vergabe eines "Silbernen Bären" für das beste Drehbuch an den Albaner Andamion Murataj und seinen amerikanischen Co-Autor und Regisseur Joshua Marston. Ihr Film "The Forgiveness Of Blood" handelt vom 17-jährigen Nik, dessen Familie von einer Blutrache bedroht wird, weil Vater und Onkel im Streit einen Mann getötet haben. Das geschieht nicht etwa im Mittelalter, sondern heute: Internet und Mobiltelefone sind auch in Albanien allgegenwärtig. Der Film versuchte nicht, das Drama im Stile eines Westerns zu überhöhen, sondern fragte nach Auswegen aus diesem archaisch-mörderischen Ritual, das noch jungen Leuten die Zukunft nimmt. Nik darf schließlich sein Dorf verlassen – aber seine Familie nie wiedersehen.

Gleich zwei "Silberne Bären", für Design und für Kamera, erhielt etwas überraschend der argentinische Film "Der Preis". Autorin und Regisseurin Paula Markovich verarbeitete ihre eigene Kindheit im Argentinien der 70er Jahre: Ein siebenjähriges Mädchen, das mit seiner Mutter, einer Dissidentin, in ein entlegenes Dorf geflüchtet ist, soll in einem Schulaufsatz die Armee preisen – die Verwandte von ihr ermordet hat. Ein Film mit wenig Handlung, aber viel Stimmung. Noch viel weniger passierte in Bela Tarrs Schwarz-Weiß-Epos "Das Turiner Pferd", das einen "Silbernen Bären" und den Preis der Filmkritiker bekam. Hier sind zweieinhalb Stunden lang ein Kutscher in seiner Hütte und sein Pferd vor der Tür zu sehen – das minimalistisch-puristische Werk trieb viele aus dem Saal, begeisterte aber die Fans von Bela Tarr.

Dass auch die beiden deutschen Wettbewerbs-Beiträge mit Preisen geehrt wurden, war kaum erwartet worden. Ulrich Köhler erhielt für sein sperriges Entwicklungshelfer-Drama "Schlafkrankheit" einen "Silbernen Bären" für die beste Regie, vielleicht, weil der Film es verstand, das Gefühl der Verlorenheit auf einem fremden Kontinent zu erzeugen. Den Preis der Gilde Deutscher Filmkunsttheater und den Alfred-Bauer-Preis für ein Werk, das neue Perspektiven aufzeige, bekam Regisseur Andreas Veiel für sein Spielfilmdebüt "Wer wenn nicht wir", das den Weg der Gudrun Ensslin von der Pastorentochter zur RAF-Terroristin zeigt. Der Film, der am 10. März in die Kinos kommt, überzeugte vor allem durch die beiden Hauptdarsteller Lena Lauzemis (als Ensslin) und August Diehl (als ihr langjähriger Verlobter Bernward Vesper). Gerade mit der Biografie von Vesper, der als Sohn eines Nazi-Dichters als Verleger für die antiautoritären Linken eintritt und sich 1971 umbringt, erzählt der Film durchaus Neues. Wie der bisherige Dokumentarfilmer Veiel dabei die Spielszenen mit Dokumentarbildern der 60er Jahre verbindet, das ist aber kaum eine "neue Perspektive der Filmkunst", sondern im deutschen Fernsehen seit vielen Jahren gang und gäbe, etwa in den Dokudramen eines Heinrich Breloer.

Insgesamt zählte die 61. Berlinale zu den schwächeren Jahrgängen. Nicht nur der Wettbewerb blieb matt, auch auf dem roten Teppich herrschte wenig Prominenten-Glanz – viele Hauptdarsteller blieben der Berlinale fern. In den Filmreihen neben dem Wettbewerb ließen sich fremde Filmwelten entdecken, die es nie bis in die deutschen Kinos schaffen werden – allenfalls ins ARTE-Spätprogramm.

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