Das französische Barockensemble "Le Concert Lorrain" gastiert seit Jahren bei renommierten Festivals und in bekannten Konzerthäusern. Am Sonntag wird das Ensemble die 492. Telemann-Sonntagsmusik gestalten. Stephan Schultz, einer der beiden künstlerischen Leiter, freut sich besonders auf diesen Auftritt. Er hat fünf Jahre in der Magdeburgischen Philharmonie gespielt. Grit Warnat hat mit dem Cellisten gesprochen.

Volksstimme: Herr Schultz, Sie leben seit 2004 in Frankreich, waren zuvor fünf Jahre Magdeburger, spielten in der Magdeburgischen Philharmonie. Freuen Sie sich auf das Konzert in der alten Heimat?

Stephan Schultz: Ich war 2007 schon einmal zur Sonntagsmusik in Magdeburg und komme immer gern in die Stadt zurück. Ich hoffe, dass ich auch einige Freunde treffen werde. Wir reisen Montag erst wieder zurück.

Volksstimme: "Le Concert Lorrain" entstammt einer französisch-deutsch geprägten Region. Das Ensemble wird von Ihnen und Ihrer Frau geleitet, einem Deutschen und einer Französin. Welche Musik hat die Oberhand?

Schultz: Normalerweise sind die Projekte fifty-fifty aufgeteilt, aber im Moment spielen wir mehr deutsche Barockmusik, weil wir sehr viel in Deutschland und im deutschsprachigen Raum unterwegs sind.

Volksstimme: Für diesen Part sind sicherlich Sie zuständig?

Schultz: Genau, meine Frau hat den Hut für die französische Barockmusik auf.

"Internationale Besetzung macht Konzerte spannend"

Volksstimme: In Magdeburg werden Sie Telemann, Händel und Bach spielen, also ausschließlich mitteldeutsche Barockmusik. Ist das außergewöhnlich für Sie?

Schultz: Ja, schon, vor allem weil Franzosen, natürlich auch meine Frau, eine andere Sicht auf deutsche Barockmusik haben. Sie spielen sie anders. Wie auch ein englischer Kollege wieder einen anderen Geschmack einbringt. Die Musik wird durch die internationale Besetzung immer anders interpretiert. Die Konzerte sind deshalb vor allem immer spannend.

Volksstimme: Unsere Region wirbt viel mit Telemann, Bach und Händel. Wie bekannt sind die drei Komponisten in Frankreich?

Schultz: Am bekanntesten ist natürlich Bach. Aber unser Ensemble versucht eine ganze Menge, um Telemann stärker in die Öffentlichkeit zu rücken. Unser nächstes CD-Projekt soll ihm gewidmet sein. Auch an unserer Akademie für junge Künstler spielen Werke von Telemann immer eine große Rolle. Weil er eine so unglaublich reiche, vielfältige Musik komponiert hat. Ich finde Telemann ganz toll.

Volksstimme: Bei uns sind den Barockkomponisten Wettbewerbe und Festspiele gewidmet. Geht Frankreich auch so mit seinem kulturellen Barock-Erbe um?

Schultz: Man pflegt es sehr, wir haben hier auch bekannte Barockfestivals und Wettbewerbe. Aber in Frankreich hat die Musik über die Jahrhunderte nie solch eine extrem starke Rolle gespielt wie in Deutschland. In der Barockzeit war beispielsweise der Barocktanz äußerst wichtig, auch die Architektur und die bildende Kunst. Die Prämissen sind anders gesetzt.

"Wir versuchen, öfter gemeinsam aufzutreten"

Volksstimme: Sie geben Meisterkurse in vielen Ländern, ihre Frau ebenso. Sie sind beide auch getrennt auf Konzertreisen unterwegs. In Magdeburg aber werden Sie mit Ihrer Frau auftreten. Ist solch ein gemeinsames Konzert eher die Ausnahme?

Schultz: Wir versuchen, das öfter einzurichten. Es ist aber schwierig, weil wir unterschiedliche Projekte leiten und spielen und zu Hause vier Kinder haben, die jüngsten sind dreieinhalb und ein Jahr alt. Da können wir nicht 50 Konzerte, die in einem Jahr allein mit "Le Concert Lorrain" zusammenkommen, gemeinsam stemmen.

Volksstimme: Mit diesem Sonntagsmusik-Programm treten Sie am 5. Februar auch in Halle auf. Diese 492. Telemann-Musik ist eine Kooperation mit der Stiftung Händel-Haus Halle, sozusagen die erste Gemeinschaftsproduktion zwischen Telemann-Zentrum und Händel-Haus. Inwieweit haben Sie das Programm mitbestimmen können?

Schultz: Die Vorschläge der Stücke kamen von mir, auch der Titel "Schmückt das frohe Fest mit Maien", eine der Telemann-Kantaten. Wir haben dann gemeinsam beraten und uns auf das jetzt vorliegende Programm geeinigt. Ich finde es sehr farbenreich, sehr abwechslungsreich und dadurch ausgesprochen interessant.

*

492. Telemann-Sonntagsmusik, 6. Februar, 11 Uhr, Gesellschaftshaus Magdeburg, Mitwirkende: Daniel Johannsen (Tenor, Wien), Nadja Zwiener (Violine), Stephan Schultz (Violoncello, Violoncello piccolo), Anne-Catherine Bucher (Cembalo), Karten: Volksstimme-Service-Center und 0391/5406776.